Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Kurt PEBALL: Führungsfragen der österreichisch-ungarischen Südtiroloffensive im Jahre 1916

426 Kurt Peball Räume Folgaria und Lavarone befördert worden. In Calceranica, Folgaria, Lavarone, Pergine und Trento war die Verpflegung von 9 Divisionen für 30 Tage bereitgestellt22). Aber noch Anfang Mai lag in den Räumen von Folga­ria und Lavarone der Schnee hüfttief, sodaß schließlich der Angriff erst am 15. Mai beginnen konnte. III Als der Angriff am 15. Mai 1916, punkt 06.00 Uhr, bei völlig klarem Wetter einsetzte, gelang zwar nicht die operative, wohl aber die taktische Überra­schung des Feindes durch die Wucht des massierten Artillerieeinsatzes im Angriffszentrum bei Folgaria und Lavarone23). Die Wirkung dieses Feuers war aüch für den großen Erfolg der Offensive während der ersten Tage ent­scheidend, weil die beiden ersten italienischen Stellungen, die im Feuerbe­reich der österreichischen Artillerie lagen, praktisch niedergewalzt werden konnten. Den zumeist in den Schluchten vorstürmenden Soldaten des aus Folgaria auf Arsiero-Thiene angesetzten österreichischen XX. Korps — es stand unter dem Kommando des Thronfolgers Erzherzog Karl Franz Joseph - gelang es, innerhalb von fünf Tagen bis zum nördlichen Rand der Sette Co- muni vorzudringen24). Am 20. Mai aber mußte eine mehrtägige Angriffspause befohlen werden, um die schwere Artillerie im schwierigen Gebirgsgelände nachziehen zu können. Das gab den Italienern die Möglichkeit, Verstärkungen in den Kampfraum vorzuführen, und insbesondere den südöstlichen Rand der Sette Comuni zu verstärken. Infolgedessen gelang es den Österreichern bis zum 16. Juni nicht mehr, das Angriffsziel zu erreichen; bereits Ende Mai erwies sich ein Durchbruch der italienischen Verteidigung in den Sette Co­muni als unmöglich. Es nützte auch nichts, daß Conrad erst am 8. Juni unter starkem Druck seitens v. Falkenhayn25) befahl, zwei Divisionen aus Südtirol 22) Vgl. Kurt Peball The Trentino Offensive in History of the First World War 4 (London 1971) 1452-1460. 23) Im Schwerpunkt des Angriffes, beim k. u. k. XX. Armeekorps, feuerten aus ei­nem sechs km breiten Raum 176 leichte, 54 schwere und 23 schwerste Geschütze die­ses Korps und 73 leichte, 33 schwere und 13 schwerste Geschütze des ihm benachbar­ten k. u. k. III. Armeekorps. Ebenso beteiligten sich daran die Geschütze der österrei­chischen Festungswerke Serrada, Sommo alto, S. Sebastiano und Gschwent. Detail­lierte Kampfbeschreibung in Österreich-Ungams letzter Krieg 1914—1918, hg. vom österreichischen Bundesministerium für Heerwesen und vom Kriegsarchiv 4 (Wien 1933)253-358. 24) Allerdings auf Kosten der ihm benachbarten Korps, die verspätet zum Angriff antreten mußten; vgl. Peball The Trentino Offensive 1458-1461. 25) Die Brussilov-Offensive hatte, mit Schwerpunktbildungen bei Luck (k. u. k. 4. Armee) und bei Okna (k. u. k. 7. Armee), innerhalb weniger Tage wegen mangelnder Widerstandfähigkeit der österreichischen Truppen und deren ungeschickten Führung die k. u. k. 4. und 7. Armee zertrümmert, zum Verlust von 200.000 Mann geführt und die österreichisch-ungarische Ostfront zum Einsturz gebracht; vgl. Stone The Eastern Front 351-356. Conrad mußte v. Falkenhayn dringend um Hilfe bitten, die Falkenhayn

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