Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Elisabeth SPRINGER: Eine Quelle zum italienischen Schiffsbau des 17. Jahrhunderts im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv
EINE QUELLE ZUM ITALIENISCHEN SCHIFFSBAU DES 17. JAHRHUNDERTS IM WIENER HAUS-, HOF- UND STAATSARCHIV Von Elisabeth Springer FUNDBERICHT Im Jahre 1976 wurden bei Ordnungsarbeiten in der Kartensammlung des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (= HHStA) zwei lange schmale Blätter entdeckt, welche Entwürfe für Schiffe zeigten. Die erste naive Entdeckerfreude über einen in Wiener Sammlungen natürlich seltenen Gegenstand wich bald der Ungewißheit über die wissenschaftliche Bedeutung dieser Stücke. Schon erste Anfragen im Kriegsarchiv (Marineabteilung) und im Heeresgeschichtlichen Museum ergaben nämlich, daß die Schiffe des HHStA weitaus älter waren als die ältesten in diesen beiden Sammlungen vorhandenen Entwürfe. Den weiteren Forschungen lag die Überlegung zugrunde, daß die beiden Zeichnungen wohl als Beilagen zu einem der im HHStA aufbewahrten Aktenbestände gehörten. Es war naheliegend, zunächst an einen Zusammenhang mit der Abteilung der italienischen diplomatischen Korrespondenz Venedig zu denken, zumal sich darin Verhandlungen über die Adriaschiffahrt befinden. Doch ergab sich hier kein direkter Anknüpfungspunkt. Durch Zufall wurde die Handschrift desjenigen Schreibers, der die Zeichnungen beschriftet hatte, in einer Sammelhandschrift des 16. und 17. Jahrhunderts entdeckt, worin unter anderem Berichte der österreichischen Gesandten aus Venedig und Rom an den kaiserlichen Hof enthalten sind1). Nach längeren Untersuchungen und Vergleichen wurde mit größter Wahrscheinlichkeit der überwiegende Teil der „Überschrift“ auf den Schiffsent- *) *) HHStA Handschrift W 290 (Constantin von Böhm Die Handschriften des Haus-, Hof- und Staatsarchivs [Wien 1873] n, 595): Literae et Acta Caesarea Italica in 14 Bänden aus den Jahren 1553 bis 1647. - Der vorliegende Aufsatz ist in wesentlichen Punkten nur durch die Mithilfe von Kollegen zustande gekommen, denen an dieser Stelle dafür herzlich gedankt sei: Dr. Gerhard Rill, HHStA, machte mich auf den Schreiber der Handschrift W 290 aufmerksam; Dr. Werner Kitlitschka, Landeskonservator von Niederösterreich, verdanke ich die ersten Hinweise auf zeitliche und örtliche Einordnung aus kunsthistorischer Sicht; Herr Franz Bilzer, Kriegsarchiv, hat mich in zuvorkommendster Weise in die Geheimnisse der Marinegeschichte eingeweiht; Herr Josef Weihs, HHStA, konnte mich aufgrund seiner praktischen Erfahrung bei der nautischen Terminologie beraten; Dr. Leopold Auer, HHStA, war mir bei der Deutung und Einordnung des Wasserzeichens behilflich.