Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana

16 Gerhard Rill zum Eintritt in ein Kloster und führt - ständig von Banditen umgeben - ein Lasterleben, ärger als einst Bonifacio, das schließlich in der Ermordung eines Nebenbuhlers, eines angesehenen Bürgers von Pontremoli, gipfelt. Dieser Frevel bietet dem spanischen Gouverneur von Pontremoli, Christoph Lopez de Gaviria, die Handhabe, mit seinen Truppen am 23. September 1602 in Madrignano einzumarschieren. Mit den üblichen Plünderungen und Schän­dungen beginnt die spanische Soldateska ihr Unternehmen. Obwohl Giulio Cesare mit nur vier Bauern, zuietzt allein das stark befestigte Kastell vertei­digt, ergibt er sich erst den Spaniern, als der Gouverneur einen Eid auf die Sicherheit des Markgrafen schwört, - den er sofort bricht, als sich Giulio Ce­sare stellt. Der Wehrlose wird in Eisen geschlossen und nach Mailand ge­bracht. Nach vierwöchiger Haft in der Festung bieten die Spanier dem Ge­fangenen zum ersten Mal Freiheit, Titel und Pensionen an, sofeme dieser den König von Spanien als Lehensherrn anerkennt. Der Markgraf lehnt ab30 31). Als Garzweiler in dieser Phase des Madrignano-Streites —.gleich einem En­gel, gesandt vom Kaiser, der dazu von Gott inspiriert wurde131) - in Mailand eintraf, wurde hier außer Giulio Cesare auch der Markgraf Francesco Mala- spina von Tresana festgehalten. Dieser hatte zwar zu Beginn seiner Regie­rung (seit 1588) eine spanisch orientierte Politik betrieben - er selbst strebte die Würde eines Gouverneurs von Pontremoli an und willigte in eine spani­sche Besatzungstruppe in Tresana ein vollzog jedoch kurz darauf einen to­talen Kurswechsel, indem er sich dem Großherzog von Toskana anschloß, der von nun an Gönner des Malaspina blieb. Das Verhängnis, in das Francesco geraten sollte, begann mit der Aufdeckung einer großen Falschmünzerwerk­stätte in Tresana 1598, wobei sich bald zeigte, daß neben dem Münzmeister auch der Statthalter des Markgrafen für dieses Unternehmen verantwortlich war. Francesco konnte zwar seine Unschuld nachweisen, erlitt jedoch nicht nur einen beträchtlichen Reputationsverlust, es drohten ihm auch schwere finanzielle Einbußen, da sich der Papst die Gelegenheit nicht entgehen ließ, unter Bannandrohung die Pönsumme von 10.000 Goldscudi zu erpressen. Ehe es in dieser Sache noch zu einer Entscheidung gekommen war, benützte die spanisch-mailändische Partei die Schwäche des Markgrafen, um im Mai 1603 die Untertanen zu einer Empörung mit dem Ziel des Anschlusses an Mailand aufzuwiegeln. Als kurz darauf bewaffnete Scharen aus Madrignano und Gio- vagallo eindrangen, um Tresana ,im Namen des Königs von Spanien“ in Be­sitz zu nehmen, sah sich das spanische Militär gezwungen, gegen diese unge- rufenen Parteigänger einzuschreiten. Der Gouverneur von Pontremoli hatte indessen ein probates Mittel zur Diskriminierung der angestammten Herr­schaft angewandt, indem er aus den Klagen unzufriedener Untertanen von Tresana ein Sündenregister der Malaspina zusammenstellte. Ende 1603 war an eine Restitution Francescos ohne Intervention des Mailänder Gouverneurs 30) Ausführliche Relation Giulio Cesare Malaspinas, 1603 September 26 Mailand: Jud. lat. 334/2. 31) So Giulio Cesare in seiner Relation (Anm. 30).

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