Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana

Die Garzweiler-Mission 1603/04 und die Reichslehen in der Lunigiana 13 der Tatsache, daß für den Kommissar keine Möglichkeit bestand, den kaiser­lichen Ansprüchen Nachdruck zu verleihen16). Diese positive Wertung ent­spricht jedoch nicht den Urteilen der Zeitgenossen. Als Garzweiler seinen Auftrag übernahm, hatte sein Vorgänger Beccaria bereits resigniert: Weder die Errichtung neuer Zölle noch die Eintreibung von Kontributionen bei den kleinen Lehensmännern hatte Erfolg gebracht, sondern nur die Reste kaiser­licher Autorität untergraben17). Für Garzweiler bildete die Anzahl der Feu­erstellen die Berechnungsgrundlage, das Geld sollte er bei den Untertanen direkt eintreiben. Beide Grundsätze erwiesen sich als nicht sinnvoll, da ei­nerseits das mit der jeweiligen Feuerstelle verbundene Vermögen im Verhält­nis 1 : 10 schwankte und andererseits Armut und ZahlungsunWilligkeit der Untertanen - die anfängliche Kreuzzugsbegeisterung18) der Neunzigerjahre war längst verraucht — doch wieder den Vasallen zum einzig kompetenten Verhandlungspartner des Kommissars machten. Der Wechsel des Adressaten aber bedingte eine prinzipiell andersartige Berechnung, da die Zahlungsfä­higkeit des Vasallen vom Wohlstand, nicht von der Anzahl der Untertanen­familien abhing; die Kontribution nach Feuerstellen hatte sich gerade in wirtschaftlich günstigen Fällen als „unerkleckhlich“ erwiesen. Andererseits lag die direkte Besteuerung der Untertanen viel mehr im Sinne der Hofkam­mer, da man sich mit dem Gedanken trug, von den Vasallen „eine sondre hilff“ zu fordern19). Dazu kam, daß viele Vasallen die Zahlungen ablehnten. Man weigerte sich zwar nicht rundweg, einen Beitrag zu zahlen, beteuerte vielmehr den besten Willen, berief sich jedoch auf hindernde Umstände oder auf die Voraussetzung, daß „zuvor von den andern herm benachbarten ein exempel in diser materi gegeben werde“20). Ende 1608 war ein erheblicher Teil der Zusagen noch nicht eingelöst21), zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren immerhin noch 18.557 Kronen ausständig22). In welche Grö­ßenordnungen diese Beträge einzustufen sind, zeigt eine Abrechnung von 1616, derzufolge in den Jahren 1592-1606 insgesamt 458.630 fl.rh. aus den 16) Anton Gindely Rudolf II. und seine Zeit 1600-1612 1 (Prag 1863) 90. 17) Gutachten der Hofkammer, 1601 Juli 30, aufgrund der Berichte Beccarias (HKA' RA 24 fol. 645rv): im Falle des Festhaltens an der Errichtung neuer Zölle „mochten Ir Mt. nit allain umb die feuda, sondern auch Ihre selbsthoheit und reputation deren ort- ten khumben ...“. 18) Vgl. Mirella Niccolai II contributo toscano nelle guerre contro il turco in Ungheria, 1590-1606 in Corvina 25 (1952) 59f. 19) Bericht Garzweilers, 1604 März 1 Modena: PI 1 fol. 229rv; Hofkammer an Garzweiler, 1604 Jänner 26: HKA RA 24 fol. 721-722, und an Geheime Räte, 1604 September 17: ebenda fol. 708. 20) Undatiertes Verzeichnis der Antworten, die Garzweiler von verschiedenen Vasallen erhielt: PI 1 fol. 113-115 Pkt. 12. 21) Befehl an italienische Vasallen, Rückstände an Carlo Gonzaga zu zahlen (12 Konzepte), 1608 Dezember 20: HKA RA 24 fol. 736-747. 22) Befehl an italienische Vasallen, Rückstände an Teodoro Triuvulzio zu zahlen, 1618 Juni 18; Beilage: Designatio S. C. Mt. fidelium vasallorum per Italiam, qui anno 1603 impositas ac maxima illorum parte promissas collectas nondum solverunt (ebenda fol. 753-760).

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