Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

Rezensionen

Rezensionen 483 in die Heraldik im allgemeinen und eine Erörterung der bei den nun folgenden Wappendarstellungen befolgten Grundsätze. Der Hauptteil be­handelt nach Ortsnamen alphabetisch geordnet die einzelnen Wappen und bringt für jedes eine farbige Wappenabbildung und danebengestellt eine Textseite, die jeweils in drei Absätze gegliedert ist. Sie enthält im ersten den offiziellen Text der Wappenbeschreibung, im zweiten Angaben über Gebietsumfang und Einwohnerzahl und die wichtigsten Daten zur Ge­schichte der Gemeinde, im dritten schließlich Daten zur Geschichte des Wappens und der Herkunft der Wappenfiguren. Zuletzt wird noch zu jedem Wappen die einschlägige heraldische oder heimatkundliche Lite­ratur angegeben. Eine Landkarte mit den Grenzen der einzelnen Ge­meinden und ein Register der vorkommenden Wappenfiguren schließen das Werk ab. Gewiß wäre es in manchen Fällen interessant gewesen, zur Illustration der Entwicklung auch Reproduktionen von Siegeln oder anderen älteren Wappendarstellungen wiederzugeben oder die Geschichte der Entstehung mancher Wappen ausführlich im Detail zu schildern. Aber dabei wäre es kaum zu vermeiden gewesen, daß der Umfang des handlichen Buches über alle Maßen angeschwollen wäre. Da im Text stets die Aktenzahl der Ver­leihung angegeben ist, kann man ja gegebenenfalls unschwer wegen nä­herer Einzelheiten im Landesarchiv nachforschen. Außer den eigentlichen Ortswappen der 96 Gemeinden des Landes wer­den noch drei weitere Wappen von B. behandelt: zunächst das Landes­wappen selbst, das, da Vorarlberg erst allmählich aus verschiedenen Herr­schaften zusammengewachsen ist, verhältnismäßig spät 1864 nach Vor­schlägen des Historikers Joseph von Bergmann eingeführt und nach 1918 zur gegenwärtigen Form vereinfacht wurde (hier wäre übrigens meines Erachtens neben der Abbildung des jetzigen ausnahmsweise auch eine des früheren, ziemlich kompliziert zusammengesetzten Bergmannwappens am Platz gewesen); weiters die im Gegensatz zum jungen Landeswappen bis in das Spätmittelalter zurückgehenden Wappen der ehemaligen Land­stände und jetzigen Gemeindeverbände Bregenzerwald und Montafon. Die Tanne ist bereits 1380 im Siegel des Bregenzerwaldes nachweisbar, wurde allerdings erst 1929 von der Landesregierung verbrieft, während Montafon seine in das 15. Jahrhundert zurückgehenden gekreuzten Schlüs­sel sich schon 1639 vom Kaiser und sicherheitshalber noch 1700 vom Papst bestätigen ließ. In diesem Zusammenhang wäre aber wohl noch anzuführen gewesen, daß auch der damalige Landesfürst von Tirol und den Vorlanden, Erzherzog Ferdinand Karl, 1656 ein Wappenbestätigungs­diplom für Montafon ausstellte. Bei Betrachtung der Wappenfiguren der Gemeinden Vorarlbergs fällt auf, daß von den in der hiesigen Heraldik zwei häufigsten Wappentieren der Adler überhaupt nicht, der Löwe nur ein einziges Mal (Lustenau) ver­wendet wird. Durch den Umstand, daß es unter den Orten des Landes nur drei alte Städte gibt, dürfte es weiters zu erklären sein, daß die speziell in Ortswappen häufig vertretenen, auf alte Stadtsiegel zurück­gehenden Stadtmauern und -tore hier ebenfalls nicht Vorkommen. In den vier Fällen, in denen Wehrbauten in Wappen aufscheinen, handelt 31*

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