Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
Zur publizistischen Auswertung des österreichisch-jugoslawischen Archivabkommens. Eine Erklärung der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs
Literaturberichte 521 auch den Wunsch des Vfs nach einer Absicherung sehen, so bewähren sich Ks behutsam gesetzte Definitionen für die Kriterien, die bei Restaurationen eine Rolle spielen, da jede Wertung ausgeschaltet bleibt: Jeder tatsächliche Restaurationsfall wäre sonst von vornherein an bestimmt ausgedrückte Eigenschaften gebunden. Da K. als Arbeitstechnik den Weg vom theoretischen Allgemeinen zum praktischen Spezifischen einschlägt — ob dies allein zielführend ist, kann letztlich erst die „Gegenprobe“, die Beobachtung zahlreicher Einzelfälle, die zur zusammenfassenden Aussage führt, beweisen — ergibt sich fast zwangsläufig, daß der Raster von Einordnungsprinzipien grobmaschig angelegt ist. Nach allen Richtungen bleibt Spielraum, um geringe Verschiedenartigkeit nicht ausschließen zu müssen. Das Verblüffende ist, daß trotzdem die Anzahl der eindeutig festlegbaren Restaurationen relativ klein ist. Sein Thema der politischen Restauration (siehe unten S. 523 für die einzige bewußte Ausnahme hievon) schränkt K. grundsätzlich auf die Betrachtung größerer Staats wesen des abendländischen Kultur kreises ein. Daß hiebei die wichtigste Staatsform die Monarchie ist, liegt schon in ihrer Häufigkeit im untersuchten Raum begründet. Für seine Analyse des Restaurationsprozesses findet der Autor folgende wesentliche Kriterien: Nichts kann unverändert wieder aufgegriffen werden, Wandlungen von einer historischen Periode zur anderen sind durch biologische und technische Gegebenheiten, in weniger „unausbleiblicher“ Art auch durch nicht mehr umkehrbare Sozialrevolutionen (Marx’ Determinismus wird aber abgelehnt) unausweichlich. Dies gilt auch für die Restauration, die, wenn sie Früheres wieder einsetzt, diesen Wandel berücksichtigt und sich dadurch vom Konservativismus abhebt, für den die Bewahrung des Bestehenden ausschlaggebend ist. Ja mehr noch: um erfolgreich d. h. dauerhaft zu sein, fließt einiges von dem, was der Zeitraum zwischen Sturz und Wiederherstellung an Neuem gebracht hat, in die Restaurationsepoche über. Hier nähert sich K. ohne Zweifel dem Hegelschen Satz von der Synthese aus These und Antithese, doch möchte der Vf eher nicht zu einer solchen Abstraktion gelangen, da für die Stabilität entscheidend nicht zuletzt ein „sehr konkretes politisches Geschick“ (S. 32) ist. Gut getroffen scheint mir die Benennung und Unterscheidung der zeitlich aufeinanderfolgenden Abschnitte, die uns im Endeffekt von einer Restauration sprechen lassen: Das „ursprüngliche“ System A — unter diesem Ausdruck hat jede Ideologie Platz — wird von einem intermediären System B — ohne Definition, welcher Art dieses Zwischenstadium ist — gestürzt und bildet das „Leitbild“ für das restituierte System C, das sich unter Aufnahme einiger von B bewirkter Institutionen ausformt und sich dazu der Mittel der Tradition, der Rechtskontinuität und der Legitimität bedient. Das System C bricht nie alle Brücken zur jüngsten Vergangenheit B ab und steht damit und mit dem Vorrang des Ideen- gegenüber dem Personenkult in krassem Gegensatz zur Diktatur. Im Zyklus der Staatsformen werden meist A und C durch Monarchien, B durch Republiken repräsentiert. Die umgekehrte Reihenfolge ist selten, fest installierte Republiken werden kaum von Monarchien gestürzt — K. erklärt dies mit der besseren Anpassungsfähigkeit an moderne Lebensbedingungen —, sind aber oft durch Diktaturen gefährdet. Als letztes wichtiges Element be-