Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich
40 Ernst Laubach Dafür tritt in der Folgezeit immer deutlicher als Karls Konzeption hervor, Philipp als ersten Prätendenten aus der jüngeren Generation für das Kaisertum nach Ferdinand aufzubauen und abzusichern 207). Gegen Ende des Jahres 1549 finden sieh von seiten des Brüsseler Hofes anstelle der Bemühungen, Ferdinand zu beschwichtigen und die eigene Treue zu der Abmachung von 1548 zu bekräftigen, immer öfter Anspielungen des Inhalts, ob die österreichischen Verwandten etwa wider die Vereinbarung Schritte zugunsten Maximilians unternommen hätten. Das offenbart die Furcht, eigene Pläne könnten durchkreuzt oder erschwert werden. Daneben gibt es Andeutungen, daß bei der nächsten Zusammenkunft im Familienkreis die Nachfolgefrage entschieden werden solle, um dann an die Kurfürsten heranzutreten. Ferdinand hat die Verdächtigungen seiner selbst und Maximilians energisch zurückgewiesen 208 *) und seine Abneigung gegen die konkrete personale Fixierung durchblicken lassen. An seiner Argumentation fällt auf, daß der Aspekt seines persönlichen und politischen Ansehens und das seiner Nachkommen stärker ausgespielt wird und die Rücksicht auf kaiserliche Aufgaben zurücktritt. Als Tendenz könnte man festhalten, daß Ferdinand, der sich für seine Person stets Karl untergeordnet hat, nicht bereit war, einen prinzipiellen Vorrang auch der Nachkommen Karls vor seiner Person und seiner Linie anzuerkennen. Genau das wurde ihm letztlich zugemutet. Am 1. Mai 1550 legte Maria die Karten auf den Tisch, als sie Ferdinand eröffnete 208), Karl und Philipp wollten während des bevorstehenden Reichstages mit ihm darüber sprechen, Philipp als seinem Nachfolger das Kaisertum zu sichern. Karl habe sich noch nicht endgültig entschieden, aber die Gründe, die Philipp dafür vorbringe, seien sehr gewichtig, wenn man an das Wohl des Gesamthauses denke. Maria forderte darum Ferdinand auf, nur dann eine Kandidatur Maximilians zur Debatte zu stellen, wenn Karl und Philipp eine Bewerbung Philipps für untunlich erklären sollten, andernfalls aber dessen Kandidatur nach Kräften zu fördern und auf Maximilian einzuwirken, daß er nicht dagegen opponiere und so ein Zer207) Zum folgenden die Briefe: Karl an Ferdinand, 1549 November 10 (Beiträge 1 297 ff); Ferdinand an Karl, 1549 November 25 (ebenda 304 f) mit neuer Warnung vor dem Erbgedanken; Maria an Ferdinand, 1549 November 20 (HHStA Belgien PA 73 Konvolut La Reine au Roy 1547—1550 fol. 52—53; Ferdinand an Maria, 1549 Dezember 2 (Österreichische Zeitschrift für Geschichte und Staatskunde 3 [1837] 395 f); Ferdinand an Maria im 1. Quartal 1550 (Bucholtz Ferdinand I. 6 460 f, 461 und 9 730 f). — Frau Dr. Christiane Thomas, Wien, möchte ich auch an dieser Stelle herzlich für ihre Liebenswürdigkeit danken, für mich mühevolle Recherchen nach verschiedenen unpublizierten Dokumenten angestellt zu haben. 208) Ob Maximilian sich völlig verabredungskonform verhalten hat, ist für diese Arbeit unerheblich. 209) Bucholtz Ferdinand I. 9 495—497.