Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich

Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich 33 verhüten möge) zum künftigen kaiser“. Kaiser Karl wurde gebeten, den Erwählten in dieser Würde zu akzeptieren und seine Anerkennung an­zuordnen 177). Am 11. Januar folgte in Aachen die Krönung. Zwar dauerte es Jahre, bis Ferdinand von allen Reichsständen als König anerkannt wurde17S), und die Vollmachten, die ihm sein Bruder zur Ausübung seines Amtes einräumte, haben Ferdinands Erwartungen ziem­lich enttäuscht, ließen sie ihm doch de facto nur die Position eines Ad­ministrators 179). Aber sein lange angestrebtes erstes Ziel war erreicht, und die Nachfolge für das Haus Österreich zunächst einmal gesichert. III Anderthalb Jahrzehnte später ist es über die Frage, wie die Nachfolge im Kaisertum über ihre eigene Generation hinaus langfristig für ihr Haus sichergestellt werden könnte, zu tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Karl und Ferdinand gekommen, die sich über Jahre hingezogen haben. Über das Ziel waren beide prinzipiell einig, wie aber die Lösung auszusehen habe, darüber gingen ihre Anschauungen weit auseinander. Die Regelung, die man dann schließlich gemeinsam anstreben wollte, und ihre Genesis sind als sogenannter „spanischer Sukzessionsplan“ Karls V. häufig geschildert worden180); die Motivation Karls ist dabei ausgiebig, die Position Ferdinands m. E. allzu summarisch erörtert worden. Beide Seiten argumentierten wie früher mit dem Wohl des Reiches und des Gesamthauses, doch was förderlich und was abträglich sei, beurteilten die Brüder auf Grund der unterschiedlichen politischen Erfahrungen, die sie in der Zwischenzeit gemacht hatten, verschieden. Indessen sind ihre Intentionen und Argumente sowie der Beratungsverlauf, zumal die Ver­handlungen großteils mündlich und geheim im engsten Kreise geführt worden sind, aus den überlieferten Besprechungsunterlagen und zwischen­zeitlich oder später entstandenen Korrespondenzen nicht immer deutlich zu erkennen. Die aufgetretenen Verstimmungen aber haben reichlich An­laß zu Mutmaßungen an der Gerüchtebörse am kaiserlichen Hof über Ziele und Stand der Beratungen geboten, was sich in den Berichten der Diplomaten anderer Mächte wiederspiegelt, und dieses Gewirr von Spe­)77) Dekret der Kurfürsten (wie Anm. 172) fol. 264v—265r. 17S) Erst im Vertrag von Kaaden (1534) erlangte er die Anerkennung seitens der Protestanten: Brandi Karl V. 1 275. 179) Dazu jetzt trefflich Thomas Moderation 137. 180) Gachard Charles-Quint Sp. 787 ff; Ranke Deutsche Geschichte 5 89 ff; Wilhelm Maurenbrecher Karl V. und die deutschen Protestanten 1545—1555 (Düsseldorf 1865) 239ff; Gustav Wolf Deutsche Geschichte im Zeit­alter der Gegenreformation 1 (Berlin 1899) 500 ff; Brandi Karl V. 1 492 ff; Fernandez Alvarez Politica mundial 128 ff; sowie die in der nächsten Anm. genannten Werke. Mitteilungen, Band 29 3

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