Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

SCHRÖCKER, Alfred: Leibniz als Herausgeber historischer Quellen

Leibniz als Herausgeber historischer Quellen 131 riner, besonders der Briefpartner Jean Mabillon38), oder in den spani­schen Niederlanden die Bollandisten, zur Leibniz-Zeit allen voran Pape­broch 39), aber auch anderswo einzelne Forscher eifrig an guten Editio­nen 40). Nach Leibniz’ Ansicht begannen die Deutschen dabei nicht am Nullpunkt. In der Einleitung zu den Scriptores rerum Brunsvicensium 41) skizziert er kurz die Geschichte der historischen Quellenpublikation von den Humanisten zu Beginn des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart des ausgehenden 17. Jahrhunderts, mit bedeutenden Editoren wie Reiner Reineck42), Heinrich Meibom dem Älteren und Jüngeren43) oder Mar- quard Freher 44). Dennoch bestand nach Leibniz ein erheblicher Nachhol­bedarf, den er selbst zum Teil zu erfüllen glaubte. Der Nachholbedarf existierte in Deutschland kaum in der Methode, wie Leibniz’ Vorbild, die Editionen des jüngeren Meibom, zeigen, sondern regional in der Breite. Im übrigen gelangte Leibniz von der grundlegenden Wertschätzung des Quellenbelegs folgerichtig zur annalistischen Geschichtsdarstellung 45). Er berief sich dabei auf den Kirchenhistoriker Baronius, ein Vorbild, das er nach eigener Feststellung zu übertreffen meint: weil Baronius nicht „diplomata genugsam zu Hilfe genommen oder auch so wie ich zu Hilfe nehmen können“ 46). Eine ähnliche methodische Grundhaltung mag auch Zeitgenossen und Korrespondenten von Leibniz wie Daniel Papebroch, Jean Mabillon oder Antonio Muratori zur annalistischen Darstellung ge­führt haben 47). a») LSB 1/4 n. 472 ff, 1/5 n. 298, 1/7 n. 259; LBr 592; Bibliographie in LThK 6 (1961) 1254—1255; s. v. „Mauriner“ LThK 7 (1962) 190—192. 3») Siehe Anm. 28. Korrespondenz mit Leibniz ab 1686: LSB 1/4 n. 458ff; 1/5 n. 248 f; 1/6 n. 168 f; LBr 712 (1686—1706). 40) In Deutschland z. B. Heinrich Meibom der Jüngere. 41) In der Bibliotheca Universalis selecta von 1689 zählt Leibniz die wich­tigsten Editoren und ihre Werke auf (LSB 1/5 448 ff n. 247). Eine Aufzählung der älteren Editoren auch bei W e g e 1 e Historiographie 165 f. Mit Leibniz ver­gleichbar der Überblick bei Heinrich Meibom Rerum Germanicarum tom. 1 Vorwort. «) 1541—1595: ADB 28 (Leipzig 1889) 17—19. 43) Uber die Meibom zusammenfassend mit Bibliographie Karl-Heinz Wei- mann Der Nachlaß Meibom in Hannover und Göttingen in Medizingeschichte in unserer Zeit (Festschrift E. Heischkel-Artelt und W. Artelt, Stuttgart 1971) 171—188. 44) 1565—1614: NDB 5 (Berlin 1961) 392—393. 45) Annales Imperii Occidentis Brunsvicenses, hg. von Georg Heinrich P e r t z in 3 Bänden (R a v i e r n. 568, 580 und 594). 46) Georg Heinrich Pertz Leibnitzens gesammelte Werke. Erste Folge. Ge­schichte. 1: Annales Imperii Occidentis Brunsvicenses (Hannover 1843) XV. 47) Daniel Papebroch (gest. 1714) hinterließ als Manuskript: Annales Antwerpienses ab urbe cond. ad a. 1700, hg. von F. H. Mertens und E. Busch­mann, 5 Bände (Antwerpen 1845—48); Jean Mabillon Annales OSB ab anno 480 ad ann. 1157, 6 Bände (Paris 1703—39); Ludovico Antonio Muratori Annali d’Italia dal principio dell’era volgare sino all’anno 1749, 12 Bände (Mai­land 1744—49). 9*

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