Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
HEISS, Gernot: Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505–1568)
100 Gernot Heiß Sie dürfte diese Herrschaft 1524 erhalten haben6 * 8), denn noch 1523 sollte der kaiserliche Gesandte Andrea da Burgo vom König Ungarisch-Alten- burg bekommen, was aber am Einspruch der Ungarn scheiterte7), und 1524 ist dann Marias Hofrichter Stefan Amadé Várkonyi als Graf von Altenburg nachzuweisen 8). Stefan Amadé erwies sich in den Wirren nach der Schlacht bei Mohács als nachlässiger und untreuer Diener der Königin-Witwe. Bereits Anfang 1527 wurde über die schlechte Versorgung der Burg geklagt und die Ablösung Amadés durch einen geeigneteren Mann erwogen 9). Obwohl Maria damit einverstanden war, blieb Amadé Burggraf von Ungarisch-Al- tenburg und bereitete im Sommer dieses Jahres dem Nachschub für Ferdinands Truppen einige Schwierigkeiten10 11). Am 2. Februar 1529 versprach zwar Amadé, Maria und, nach ihrem Tod, Ferdinand und dessen Erben treu zu dienen n), doch im selben Jahr übergab er Burg und Stadt kampflos den Türken und Zápolya. Deshalb erklärte ihn Ferdinand zum Landesverräter, und nachdem Maria darum gebeten hatte 12), schenkte er ihr die Güter des Stefan Amadé 13). Im Winterfeldzug 1529/30 konnten Ferdinands Truppen bereits wieder Ungarisch-Altenburg zurückerobern14 *). Leonhard Hauser war Hauptmann der hier zurückgelassenen Fußknechte, was er auch bereits 1528/29 gewesen war, bevor er im Mai 1529 das Amt des Hauptmanns in den Bergstädten im Aufträge Marias übernahm und schließlich an der Verteidigung 6) Landestopographie des Burgenlandes 2/1 464 gibt an, daß Maria Ungarisch-Altenburg „um 1523“ erhalten habe. ?) Bericht des venezianischen Gesandtschaftssekretärs Massaro, 1523 Oktober 5: Marino S a n u t o I diarii, hg. von Federico Stef ani — Guglielmo Berchet — Nicolö Barozzi 35 (Venezia 1892) col. 107. 8) József Fógel II. Lajos udvartartása 1516—1526 (Budapest 1917) 24 und 26 (am 9. Februar 1524 wird als Hauptmann Franz Dóczy genannt; vgl. auch Aufstellung der Klagen, die bei der Zusammenkunft von Vertretern Ferdinands und Ludwigs zur Lösung der Grenzstreitigkeiten in Ödenburg verfaßt wurde, 1524 Februar 9: HHStA Ungarn 1). ®) Die niederösterr. Räte an Räuber und Pempflinger, 1527 März 20 und Mai 11: Konzepte im HHStA Ungarn 3 und 4. 10) Siehe dazu auch Heiß Politik und Ratgeber 155. 11) Verpflichtung des Stefan Amadé, 1529 Februar 2 Znaim: Kopie im HHStA Ungarn 343 fol. 95. 12) Maria an Ferdinand, 1529 Oktober 26 Linz, ed. Bauer — Lacroix Korrespondenz 2/2 532 (er soll die Güter des Damian Lipcsei und des Stefan Amadé nicht vor einer Aussprache mit ihr vergeben). 10) Schenkungsurkunde Ferdinands, 1529 November 25 Linz: Kopie im HHStA Ungarn 343 fol. 94 (mit 1529 November 29 datiert im HHStA Reichsregister Ferdinands I. 1 fol. 186). Vgl. dazu auch die diesen Aktenbestand systematisch auswertende Studie von Otto Friedrich Winter Die Register Ferdinands I. als Quelle zu seiner ungarischen Politik in MÖStA 7 (1954) 565. Einige Dörfer kamen in den Besitz Bernhard Beheims: vgl. dazu meine Dissertation 371 und 376. 11) Vgl. Ferdinand an Karl, 1529 Dezember 9 Linz, ed. Bauer — Lacroix Korrespondenz 2/2 541 f.