Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
HEISS, Gernot: Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505–1568)
98 Gernot Heiß Vergeblich bemühten sich die ungarischen Räte um eine Rückgabe des Preßburger Dreißigstzolles an die königliche Kammer: Auf den Reichstagen von 1536, 1542 und 1545 wurde diese Forderung erhoben 30), und in einem Memorandum verlangten sie 1540 von der Königin die Bezahlung von mindestens 50.735 (rh.) fl., die sie nach eigenen Angaben über die ihr aus der Verweisung Ferdinands zustehenden 18.032 rh. fl. bereits erhalten hatte31). Erst mit dem allgemeinen Vergleich zwischen Ferdinand und Maria von 1548 fiel auch der Dreißigst von Preßburg wieder an Ferdinand 32 33 *), wobei die Verrechnung dieser Einnahmen der Königin hinfällig wurde. Die Einnahmen Marias aus dem Preßburger Dreißigst vom 8. September 1526 bis zum 31. Dezember 1547 — es fehlen also nur die Zahlen für die erste Hälfte des Jahres 1548 — sind recht gut rekonstruierbar3S). Sie betrugen insgesamt 128.014 ung. fl. 40 d., wobei der Jahresertrag sehr stark schwankte. So belief er sich 1528 auf über 11.000 ung. fl., 1532 jedoch nur auf ungefähr 2500 ung. fl. Dazu trug die politische Situation des geteilten und immer wieder zum Kriegsschauplatz gewordenen Ungarn bei. Sie wurde durch einzelne Herren ausgenützt, wie 1530 durch den Preßburger Burggrafen Johann Szalay, der einen Dreißigstzoll bei seiner Preßburger Mautstelle einheben ließ und die Beamten Marias bedrohBescheid vom 11. Februar 1534 mit einer Darlegung der Ansprüche Marias auf das Neusohler Urbar beantwortete (Oláh an Ferdinand, 1539 Juli 30 Wien: Kopie ebenda fol. 308 ff). Vgl. auch Instruktion Marias für Wolf Haller zu Verhandlungen mit Ferdinand, 1540 Juni 16 Brüssel: Or. im HHStA Ungarn 344 fol. 1 ff. so) Reichstagsbeschluß, 1536 November 19 Preßburg (Art. 44), ed. Schmidt Berggesetze Ungarn 1 116 f; Beschluß der ung. Stände zur Schlichtung der nach Ludwigs Tod entstandenen Besitzstreitigkeiten, 1542 April 29 Neusohl: Kopie im HHStA Ungarn 341a fol. 181 ff; Ferdinands Einwände gegen einige Beschlüsse des Reichstages zu Tyrnau, 1545 April 30 Worms, ed. Georg Pray Annales regum Hungáriáé ab anno Christi 997 ad annum 1567 deducti 5 (Vindobonae 1770) 395 ff. 31) Argumente, von Ferdinands Räten gegen Marias Forderungen vorgebracht, s. d. (1540): Kopien im HHStA Familienakten 9 fol. 2 ff und 56 ff; Maria erwiderte dem mit einem Hinweis auf Ferdinands Bescheid vom 11. Februar 1534: Marias Entgegnung, s. d. (1540): zwei Kopien ebenda fol. 8 ff. 32) Vgl. Marias Bevollmächtigte für die Übergabe an Hans Widman, Marias Dreißiger von Preßburg, 1548 Juni 17 Kremnitz: Kopie im HHStA Ungarn 344 fol. 184 und dieselben an Ferdinands Räte, 1548 Juni 17 Kremnitz: Kopie ebenda fol. 183. Bei einer Rückgabe der Güter an Maria durch Nichteinhaltung der Vertragsbestimmungen sollte jedoch der Preßburger Dreißigst Ferdinand verbleiben: Vergleich zwischen Maria und Ferdinand von 1548 März 7 durch Erzh. Maximilian ratifiziert, 1548 März 8 Augsburg, ed. Hatvani Magyar történelmi okmánytár 2 159 ff. 33) Aufstellungen der Einnahmen Marias aus dem Dreißigstzoll für die Zeit vom 8. September 1526 bis 31. Dezember 1547, s. d. (1540 bzw. 1548): HHStA Ungarn 344 fol. 20 ff und 83 ff (die Angaben divergieren, jedoch nur unwesentlich). Vgl. die Zusammenstellung in meiner Dissertation 366.