Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

WINTER, Otto Friedrich: Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges im Kriegsarchiv

Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges 65 gebender Bedeutung: Anfragen um ergänzende Daten richten sich meist an die Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs/Militärarchivs in Kornelimün­ster bei Aachen, die entweder - angesichts der Lückenhaftigkeit der dortigen Personalunterlagen nur in wenigen Fällen - auf Grund der bestehenden Ver­einbarung Originalunterlagen oder Auszüge aus Beförderungslisten u. dgl. zur Verfügung stellt oder die Anfragen an die „Deutsche Dienststelle“ (Wehrmachtsauskunftsstelle) in Berlin weiterleitet. Bei dieser sind vor allem Erkennungsmarkenverzeichnisse der Deutschen Wehrmacht aufbewahrt, aber auch andere Personalunterlagen, namentlich nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten zur Verfügung gestellte, und die fast vollständig erhalten gebliebe­nen Personalevidenzen der Deutschen Kriegsmarine, sodaß fast in jedem Falle einige Dienstzeitdaten ermittelt werden können. Das Krankenbuchlager Berlin, in dem die früher auf drei Stellen - München, Kassel, Berlin - ver­teilten militärischen Lazarettunterlagen aus dem Gebiet der Bundesrepublik und einzelner besetzter Gebiete mit Ausnahme des Ostens vereinigt sind, wird zutreffendenfalls in die Erledigung der „Deutschen Dienststelle“ einbe­zogen, kann aber auch unmittelbar vom Kriegsarchiv um Auskunft ersucht werden, ebenso wie die „Deutsche Dienststelle“ selbst für Angehörige der Kriegsmarine. Dadurch ergibt sich eine Verkürzung der Wartezeit, die sonst - trotz ausgezeichneter personeller und materieller Ausstattung der Stellen in der Bundesrepublik - infolge der hohen Beanspruchung mehrere Monate beträgt. Für Angehörige der Waffen-SS und von Gliederungen der NSDAP können auch bei dem unter alliierter Verwaltung stehenden „Document Cen­ter“ in Berlin Erhebungen über Wehrdienstdaten gepflogen werden. Weiter bestehen in der Bundesrepublik Auskunfts- und Ermittlungsmöglichkeiten für die Dienstzeitdaten für Wehrmacht-Beamte und zivile Wehrmachtbe­dienstete (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder in Karlsruhe, Be­triebskrankenkasse des Reiches/Abwicklungsstelle in Wilhelmshaven), für den Reichsarbeitsdienst (Schutzverband in Bad Godesberg), für den Zoll­grenzschutz (Oberfinanzdirektion Hamburg), für die technischen Verbände (Sondervermögens- und Bauverwaltung beim Landesfinanzamt Berlin) und beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Das Kriegsarchiv ist ferner in der Lage, Wehrdienstdaten in der CSSR (Archiv vojenskoj evidencie osob, Trnava) und Internierungszeiten in neutralen Staaten zu beschaffen. Das Bestreben geht dahin, möglichst schnell die für die Erstellung einer Wehrdienstbescheinigung unbedingt notwendigen Daten - über Einberufun­gen, Ununterbrochenheit der Dienstleistung und Entlassungen - zu ermit­teln. Es ist daher die vollständige Erfassung aller noch vorhandenen Daten in jedem Falle nicht beabsichtigt, sondern Aufgabe der Referenten, aus den oben skizzierten Möglichkeiten jene auszuwählen, die mit geringstem Zeit­aufwand zum Ziel führt. Angesichts der Lückenhaftigkeit der Personalunter­lagen auch bei den mit dem Kriegsarchiv zusammenarbeitenden Stellen ist es unvermeidbar, daß negative Antworten zusätzliche Anfragen erforderlich machen; es ergibt sich nicht selten eine lange Dauer der Erhebungen und Mitteilungen, Band 28 5

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