Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

WINTER, Otto Friedrich: Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges im Kriegsarchiv

Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges 55 sten von Wehrmachtsschriftgut vor allem umfangreiche Registraturen der Familienunterhaltsstellen bei den seinerzeitigen „Landratsämtern“ erbrach­te; mit Hilfe der nicht aus dem Bereich der Militärverwaltung stammenden Famiüenunterhaltsakten konnte in zahlreichen Fällen die Beweisgrundlage entscheidend verbessert werden16). Weitere Bemühungen um Vervollständi­gung der Bestände der neuen Abteilung richteten sich an ausländische Stel­len: Von der Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs/Militärarchiv in Kor­nelimünster bei Aachen wurde auf Grund eines Abkommens über den Aus­tausch von Personaldokumenten nach dem Prinzip der jetzigen Staatsbürger­schaft der Inhaber17) ein größeres Kontingent übergeben und die - stets exakt eingehaltene - Zusicherung gegeben, in konkreten Einzelfällen vor­handene Unterlagen abzutreten. Eine Intervention bei den zuständigen Stel­len der alliierten Mächte wegen Überlassung der im Zuge der Demobilisie­rung den Kriegsgefangenen abgenommenen militärischen Dokumente hatte hingegen ein nahezu völlig negatives Ergebnis. Es war nämlich erst 1957 ein diesbezügliches Angebot westalliierter Stellen ohne Einschaltung des Kriegs­archivs von Österreich abgelehnt worden, worauf die Vernichtung der noch vorhandenen Personaldokumente erfolgte18). Für laufende Zuwächse seit dem Abschluß der offiziellen Erfassungsaktionen im Jahre 1960 sorgen neben den Einzelzugängen von der Zentralnachweisstelle und den einbehaltenen Unterlagen von Antragstellern19) fallweise Erwerbungen von kleineren - manchmal sehr wichtigen - Beständen, die entweder bei schon angeschriebe­nen Stellen nachträglich aufgefunden oder, weil nicht mehr benötigt, abge­geben werden; dazu gehören aber auch jene Unterlagen, die durch Zufall bei Gemeindeverwaltungen, Polizeidienststellen oder sogar Privatpersonen ent­deckt wurden. Die Vervollständigung der Personalunterlagen des 2. Welt­krieges durch Übernahme der Bestände der Landesinvalidenämter, des Zen­tralarchivs, des Zentralbesoldungsamtes und des Bundesministeriums für Inneres, Referat IV/4/a, kann erst nach Herstellung der Archiv­reife zu einem Zeitpunkt ins Auge gefaßt werden, in dem ihre Inanspruch­nahme für behördliche Zwecke im Wesentlichen abgeschlossen sein wird. Eine Vorstufe dazu ist damit gegeben, daß Teile dieser Registraturen schon derzeit in Reservedepots des Kriegsarchivs gelagert sind20). 16) Aus dem Burgenland gelangte nur ein kleiner Sammelbestand sämtlicher Be­zirke an das Kriegsarchiv, aus Salzburg nur die Akten des Bezirks Tamsweg. Die Kärntner Bezirkshauptmannschaften behielten die Familienunterhaltsakten zurück, da sie für den Nachweis der Zeiten der Sozialversicherung benötigt werden. 17) Siehe Abschnitt 3. 18) Vgl. dazu KA Reg. Vermerk auf ZI. 38.699/74 (die Verwahrungsstellen der BRD verfügen über entsprechende, von den allüerten Mächten ihnen übergebene Unterla­gen). 19) 'Eine statistische Übersicht über die Neuzugänge 1955-1965 findet sich in KA Reg. ZI. 51.924/65. - Für die folgenden Jahre sind sie den Tätigkeitsberichten des Kriegsarchivs zu entnehmen. 20) Die Bibliothek des Kriegsarchivs bemühte sich außerdem um die Erwerbung al­ler gedruckten Behelfe, vor allem der Wehrdienst- und Dienstverpflichtungsgesetze,

Next

/
Oldalképek
Tartalom