Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
WINTER, Otto Friedrich: Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges im Kriegsarchiv
PERSONALUNTERLAGEN DES ZWEITEN WELTKRIEGES IM KRIEGSARCHIV Von Otto Friedrich Winter Seit fast zwanzig Jahren ist die Abteilung Kriegsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs mit einer Aufgabe betraut, die zu einer arbeitsmäßigen Überlastung wie zu einem Vorherrschen der administrativen Tätigkeit zu ungunsten der wissenschaftlichen Komponente führte: Es handelt sich um die Ausstellung von Bescheinigungen und um die Auskunftstätigkeit hinsichtlich jener österreichischen Staatsbürger, die im 2. Weltkrieg (1938-1945) in militärischer Verwendung standen, weit überwiegend in der Deutschen Wehrmacht und anderen Wehrformationen des „Großdeutschen Reiches“ '). Ein Argument für die Betrauung des Kriegsarchivs mit dieser Materie war damit gegeben, daß seit der Gründung der Ersten Republik, als das liquidierende k.u.k. Kriegsministerium seinen Sitz in den Räumlichkeiten des Kriegsarchivs aufschlug, dieses auf Grund der übernommenen, vielfach noch nicht archivreifen Registraturen eine stellvertretende behördliche Funktion ausübte. Schon damals und erneut in den Jahren seit 1945, solange kein Landesverteidigungsministerium bestand, überstieg die Leistung des Kriegsarchivs auf diesem Sektor alles bei weitem, was man gemeinhin unter dem Begriff „administrative Tätigkeit der Archive“ zu verstehen gewohnt ist* 2). Doch wurde diese Wirksamkeit, die bis in die Gegenwart eine - wenn auch naturgemäß absinkende Tendenz aufweisende - Fortsetzung erfahren hat, von der Bewältigung der aus dem 2. Weltkrieg erwachsenden Aufgabe völlig in den Schatten gestellt. Als unabdingbare Grundlage mußten erst die nur fragmentarisch an verschiedensten Stellen innerhalb Österreichs befindlichen militärischen Personalunterlagen gesammelt und in einen eine rasche, sichere Benützung gewährleistenden Ordnungszustand gebracht werden. Weiter war es notwendig, sowohl innerhalb des Kriegsarchivs trotz sehr beschränkter Möglichkeiten die personellen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, als auch die Zusammenarbeit mit allen in- und ausländischen Dienststellen, die über zusätzliche Wehrdienstdaten von Österreichern verfügten, ins Werk zu setzen. Erschwerend kam dazu, daß alle diese Maßnahmen unter ') Walter Goldinger 25 Jahre Österreichisches Staatsarchiv. Erfahrungen und Probleme in MÖStA 22 (1969) 338f; Otto Friedrich Winter Archivierung modernen militärischen Schriftgutes in Österreich in Scrinium 9 (1973) 24. 2) Inventar des Kriegsarchivs Wien (Publikationen des Österreichischen Staatsarchivs II/8, Wien 1953) 1 37f; Wilhelm Kraus 10 Jahre Österreichisches Staatsarchiv 1945-1955 in MÖStA 8 (1955) 270, 300.