Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens
Acta Extera Caroli V. 407 Kopierens auf sich zu nehmen. Mitte Juni wurden die Archivare gedrängt, abzuschließen78) - Mrs. Tyler hatte am 14. Juni an einer Komiteesitzung teilgenommen und die erforderlichen Geldmittel in Aussicht gestellt79) aber noch Mitte August war man mit einigen Abteilungen im Rückstand. Trotzdem konnte man jetzt an die Organisation der nächsten Phase, nämlich der Ausgabe der Originale an die Kopisten, denken. V Mayr hatte die eingelaufenen Stücke in 32 Kartons chronologisch geordnet, Karton 33 mit Akten der Jahre 1526-1530 gefüllt und alle Aktenumschläge in Karton 34 vereinigt80). Dazu kamen Handschriften, in denen Steckblätter das Auffinden erleichterten. Hatte man die Aktenzusammenstellung großzügig gehandhabt, so mußte nun nach strengeren Gesichtspunkten Entscheidendes, Unerläßliches von weniger Wichtigem getrennt werden. Nach dem Prinzip, die „Beziehungen des Weltreiches . . . zum Ausland“ aufzuzeigen, waren jedoch der Begriff der diplomatischen Korrespondenz nicht zu eng zu fassen und z. B. Staatsverträge und Kundschafteravisi zu berücksichtigen. Ungeeignetes auszuscheiden, blieb dem kritischen Vermögen des jeweiligen Kopisten überlassen, der sein Urteil zu begründen hatte. Diese Einschränkung genügte nicht, um bei der enormen Materialfülle eine Beendigung der Arbeiten abschätzen zu können. Vor allem aber würde die zur Verfügung stehende Summe nicht die Honorare decken, sollten alle Originale bis inklusive 1525 abgeschrieben werden. Daher wandte sich Bittner gegen Mayrs Vorschlag, alle Kartons ä 50 Akten gleichzeitig auszuteilen. Er fürchtete, daß das Unternehmen dann plötzlich ins Stocken geraten, ein Abschluß überhaupt nicht zu erreichen und im Gegenteil jeder Karton nur fragmentarisch bearbeitet sein würde. Bruchstücke von Korrespondenzreihen aus verschiedenen Jahren würden sich nie zu einem druckfertigen Manuskript zusammenfassen lassen. Nach seiner Berechnung genügte es, die ersten zehn Schachteln, also ein Drittel des Aktenselekts, auszugeben, um einen Band von 752 Seiten vorzubereiten und eventuell noch einen Teil der Druckkosten vorrätig zu haben. Bei dieser geringeren Anzahl von fluktuierenden Akten konnte man es auch wagen, die chronologische Ordnung aufzulösen und statt dessen Gruppen von Schrifttypen und Sprachen zu bilden, was sicherlich bei der Bewältigung der paläographischen und sprachlichen Schwierigkeiten helfen würde. Mayr befürwortete zwar die Aufrechterhaltung der bisherigen zeitlichen Reihung, deren Zerstörung er wohl in Hinblick auf spätere Komplikationen beim Wiedereinordnen für einen Nachteil hielt, aber Bittner war überzeugt, durch Eintragung der Schrift- oder Sprachgruppe auf die Stückzettel Vorbeugen zu können. Nach der Rückgabe würde das Original sofort wieder an seinen Platz in der chronologischen Abfolge gelegt werden. 7e) ZI. 761/1921. 79) ZI. 760/1921. 80) Der so geschaffene Bestand wurde foliiert: An das Institut für österreichische Geschichtsforschung wurden 1926 einzelne Kartons unter Angabe von Folien (fol. 1—163, fol. 1—247 usw.) zur Benützung durch Fritz Walser entlehnt: KA ZI. 3268/1926. Im Moment, wo man die Akten an ihren ursprünglichen Platz zurücklegte, mußte diese Bleistiftfoliierung selbstverständlich getilgt werden. In Belgien PA 93 z. B. ist die Acta-Extera-Folüerung noch schwach sichtbar.