Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

404 Christiane Thomas über den Druck des ersten Bandes einsetzten. Realistischer als seine Protek­torin hatte Mitis schon knapp vor diesem letzten Werbeversuch die Drucke­rei Jasper von einem Aufschub seiner Bestellung auf unbestimmte Zeit be­nachrichtigt, nicht ohne die Versicherung abzugeben, daß, sollte das finan­zielle Problem gelöst werden können, Jasper erneut betraut werden würde61). Offener, im Grunde resignierend, äußerte sich Bittner (in der Formulierung Mayrs) gegenüber dem Kommissionsvorsitzenden Prinz Liechtenstein, wenn er glaubte, die Weiterführung würde „vielleicht in kurzer Zeit als aussichts­los“ zu beurteilen sein62). Wie weit waren aber bis zu diesem Zeitpunkt — Mitte Juni 1923 — die Arbei­ten gediehen und wie waren sie bewerkstelligt worden? IV Nachdem man am 16. Dezember 1920 mit Mrs. Tyler konferiert hatte, mußte es der erste Schritt sein, einen Überblick über alle in Betracht zu ziehenden Archivkörper zu gewinnen. Schon der Aufzeichnung über diese Besprechung - dem Aktenstück, das die Sonderreihe der Kurrentakten einleitet - liegt eine provisorische Aufstellung von der Hand Mayrs bei, die Bittner ergänz­te63). Damit sind die Namen der beiden Beamten gefallen, denen die überra­gende Leistung an den Editionsvorbereitungen zukommt. Hüter nimmt dieses Epitheton zwar für Otto Stowasser in Anspruch64), doch kann an Hand der Akten kein Zweifel daran sein, wem das Lob zu gelten hat. Nicht nur die Beobachtung, daß die erste und die beiden letzten Aktenzahlen ihre Verfas­serschaft bekunden65), stützt diese Behauptung. Sie waren vom Beginn bis zum ergebnislosen Ende als Kenner der Materie federführend. Eigenartiger­weise fand im Lauf der Jahre so etwas wie ein Tausch der Agenden statt. War Bittner zunächst als Konzipist für Mitis und als Autor des Prospectus und der Tätigkeitsberichte an Mrs. Tyler sozusagen der Sprecher des Archivs nach außen, so war Mayr in der „Endphase“ an solchen offiziellen Korre­61) ZI. 855/1923. 62) KA ad ZI. 808/1923: Ludwig Bittner an Franz Prinz Liechtenstein, 1923 Mai s. d. Wien (nach Mai 3 und vor Mai 19). Für die zeitliche Eingrenzung spricht: Bittner erwähnt, „vor kurzem“ mündlich mit Mrs. Tyler konferiert zu haben, die ihren Besuch für Anfang Mai angekündigt hatte, aber am 3. Mai noch nicht eingetroffen war: Ad ZI. 684/1923. Dies hätte Mitis in seiner Danksagung an den die Nachricht vermittelnden österreichischen Gesandten in Paris vom 3. Mai erwähnt: ZI. 684/1923. Andererseits nahm Liechtenstein am 19. Mai (KA ZI. 808/1923) Bezug auf Bittners Bedenken, u. a. den amerikanischen Gesandten in Wien und Bundeskanzler Seipel um Förderung zu ersuchen. 63) Ad ZI. 1213/1921. Beide machten bereits jetzt auf den starken Anteil ferdinan­deischer Korrespondenz aufmerksam. 64) Hüter Biographien 143. 65) Ad ZI. 1213/1921 bzw. ZI. 694 und ZI. 2017/1924.

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