Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

398 Christiane Thomas Aufzählung aber auch den Band der Monumenta Habsburgica, den Lanz für die Jahre 1519-1521 aus Wiener Material vorgelegt hatte27). War er ihrer Aufmerksamkeit entgangen oder überging sie ihn bewußt? Hier würden näm­lich Überschneidungen, und zwar in auffallendster Weise, nicht auszuschal­ten sein. Sieht man von den beiden ersten Nummern der Monumenta, der Vollmacht für Margarete und dem Revers Margaretes von 1519 Juli 1 und 28, ab, die als „Inlandskorrespondenz“ von den Acta Extera nicht aufgenommen worden waren28), finden sich die folgenden Akten regelmäßig in der Ab­schriftensammlung29). Man war sich schon bei der ersten Sitzung einig, be­reits Abgedrucktes noch einmal zu drucken30), doch war es vielleicht besser, eine derartige Übereinstimmung - dieselben Texte aus demselben Archiv - nicht publik werden zu lassen. Gerade für den ersten Band, dessen Inhalt mit Hilfe der internationalen Beziehungen Mrs. Tylers31) weltweite Sub­skriptionen anlocken sollte, wäre diese Tatsache wahrscheinlich doch abträg­lich gewesen. Überlegungen zu diesem Aspekt sind jedoch müßig angesichts der späteren Aufgabe des Projekts. Erstaunlich ist jedenfalls, wie rasch und mit welcher Bereitwilligkeit und mit welchem Optimismus für das Gelingen das Archiv die Anregung seiner Gön­nerin aufgriff. Schon Mitte Dezember 1920 fand die erste Besprechung statt, in der Mrs. Tyler ihre Vorstellungen erläuterte32). Auf jeden, der nur eini­germaßen mit der Geschichte des 16. Jahrhunderts, vor allem mit den Schwierigkeiten von Editionen, die einen langen Zeitraum umfassen, ver­traut ist, muß es fast befremdend wirken, mit welcher Leichtigkeit, man ist versucht zu sagen, naiven Zuversicht, die Vorgangsweise für ein wahrhaft gi­gantisches Unternehmen festgelegt wurde. Der Umfang wurde auf 20 Bände théque de Bourgogne zu Brüssel mitgetheilt von Karl Lanz 1-3 (Leipzig 1844-1846); Staatspapiere zur Geschichte des Kaiser Karls V. Aus dem königlichen Archiv und der Bibliothéque de Bourgogne zu Brüssel mitgetheilt von Karl Lanz (Bibliothek des lite­rarischen Vereins in Stuttgart 11, Stuttgart 1845). 27) Aktenstücke und Briefe zur Geschichte Kaiser Karls V. Aus dem k. k. Haus-, Hof- und Staats-Archive zu Wien mitgetheilt von Karl Lanz (Monumenta Habsbur­gica 2/1, Wien 1853 und 1857). 2S) Siehe unten Anm. 34 und S. 399, 401 und 405. 29) Die Überprüfung für die Daten 1519 August 16 bis 1520 März 19 ergab völlige Parallelität. 30) Ad ZI. 1213/1920. 31) ZI. 575/1921: Mrs. Tyler dachte z. B. daran, mit der Vertretung der American Libraries Association in Paris zu verhandeln, um die Werbung in den Vereinigten Staaten in Schwung zu bringen. ZI. 1536/1921: Auch Prof. Archibald Coolidge (Har­vard University/Cambridge Mass.) sollte sich für den Absatz in Nordamerika einset- zen. Wahrscheinlich hoffte Mrs. Tyler, bei Coolidge, der die österreichischen Verhält­nisse gut kannte, auf Verständnis für ein österreichisches wissenschaftliches Anliegen zu stoßen. Für Coolidges Beziehungen zu Österreich vgl. Georg E. Schmid Die Coo- lidge-Mission in Österreich 1919. Zur Österreichpolitik der USA während der Pariser Friedenskonferenz in MÖStA 24 (1971) 433-467. 32) Ad ZI. 1213/1920.

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