Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

Acta Extera Caroli V. 391 ben3). Jahrelang schienen alle Bemühungen, die man an die Erfassung der Quellen verwendet hatte, umsonst gewesen zu sein - einen kleinen „inter­nen“ Nutzen brachte, daß Personen- und Ortsregister den Beamten die Erle­digung wissenschaftlicher Anfragen erleichterten -, bis man sich 1928 ent­schloß, daß alle Vorarbeiten dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Deutsche Ge­schichte „zur Verfügung gestellt“ werden sollten, um Karl Brandis Plan einer Ausgabe der karlischen auswärtigen Korrespondenz zu fördern. Als Gegen­leistung verpflichtete sich das Institut, die Drucklegung der Reichsregister­bücher Karls V. und des zweiten Bandes der Familienkorrespondenz Ferdi­nands I. zu bezahlen4). Brandi wußte bereits seit 1921 durch Emil Ottenthal von der „amerikanischen Anregung“, die eine „beschleunigte Materialveröf­fentlichung“ vorsah, ja sogar der mit 5 $ fixierte Ladenpreis pro Band und der Umfang der Serie mit 20 Bänden waren ihm bekannt. Kein Wunder, daß er, nachdem er ab 1926 sich erneut mit der diplomatischen Korrespondenz beschäftigte, Kontakt zum Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufnahm. Sein Be­richt hierüber spielte auf die oben ausgeführte Regelung an, wenn er - aller­dings ohne auf Einzelheiten einzugehen — den „Verhandlungsabschluß“ mit 20. März 1928 erwähnte5). Wie man sich an den entsprechenden Passagen in den Vorworten der beiden Werke überzeugen kann, hielt sich der Vertrags­partner an die Abmachungen6), deren gewaltige Kosten doch die alleinige Interpretation zulassen, daß mit dem Passus „zur Verfügung gestellt“ nichts anderes als „überlassen“ oder „abgetreten“ gemeint sein könne. Nur diese Auf­fassung schafft ein äquivalentes Verhältnis zwischen Leistung und Gegenlei­stung — eine trügerische Annahme, die nicht zu überprüfen war, da es Bittner aus welchem Grund auch immer vermieden hatte, seinen knappen Ausfüh­rungen ein Quellenzitat beizugeben. Wozu aber auch überprüfen, wozu denn zweifeln an diesen Tatsachen? Auch wenn von Zeit zu Zeit einzelne Benützer auf ihren Bestellscheinen Acta Ex­tera notierten, war dies kein zwingender Grund, über die Sätze des Gesamt­inventars hinaus der Angelegenheit nachzugehen. Die für die Aushebung der Akten zuständigen Beamten konnten dann nur zwei Schubladen bereitstel­len, die in einer Urkundenkassette der Allgemeinen Urkundenreihe mit der 3) Ludwig Bittner Das Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv in der Nachkriegszeit in Archivalische Zeitschrift 3. F., 2 (= der ganzen Serie 35. Bd„ 1925) 196; Bittner Einleitung 201*. 4) Ebenda. - Die Reichsregisterbücher Kaiser Karls V., hg. vom Kaiser-Wilhelm-In­stitut für deutsche Geschichte in Verbindung mit dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, nach amtlichen Vorarbeiten vollendet von Lothar Groß (Wien-Leipzig o. J.); Familienkorrespondenz 1527 und 1528 (Die Korrespondenz Ferdinands I. 2/1 = Veröf­fentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 30) bearb. von Wil­helm Bauer und Robert Lacroix (Wien 1937). 5) Karl Brandi Die politische Korrespondenz Karls V. Alte und neue Editions­pläne in Karl Brandi - Adolf Hasenclever - Josef Karl Mayr - Fritz Walser Be­richte und Studien zur Geschichte Karls V. 1 (Göttingen 1935) 257. 6) Groß Reichsregisterbücher I; Bauer-Lacroix Familienkorrespondenz V.

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