Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
HEISS, Gernot: Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505–1568) und ihre Verwaltung
62 Gernot Heiß mit ihr betriebene Heiratspolitik erfolgreich war, sondern weil sie selbst bereits in Ungarn und Böhmen und vor allem in den Niederlanden an der Regierung mitwirkte. Die Politik der Königin Maria in Ungarn und Böhmen wurde stark durch ihre wirtschaftlichen Interessen bestimmt, und außerdem zeigt sich hier besonders deutlich, wie politisches Handeln erst von einer wirtschaftlichen Machtposition aus möglich wurde* 2 *). Die reichen ungarischen Besitzungen brachten der Königin finanziellen Rückhalt und Gefolgschaft, die ihrem Gemahl, König Ludwig II., sowohl in Böhmen, als auch in Ungarn fehlten, da bereits dessen Vater Wladis- law II. Autorität und königliche Einkünfte verloren hattes). Mit Herkunft, Ausmaß und Verwaltung der Besitzrechte Marias in Ungarn, Böhmen und Österreich wird sich diese Arbeit befassen. Am 2. Februar 1522 schenkte König Ludwig II. seiner Gemahlin Maria als Morgengabe auf Grund der Bestimmungen des Heiratsvertrages vom 22. Juli 1515 4 5) und der angestammten Rechte der ungarischen und böhmischen Königin ®) auf Lebenszeit königliche Güter und Rechte in seinen Lajos magyar király neje (1505—1558) (Budapest 1910). Zu nennen sind außerdem Théodore Juste Les Pays-Bas sous Charles-Quint. Vie de Marie de Hon- grie (Brüssel—Leipzig 1855); W. Maurenbrecher Maria, Königin von Böhmen und Ungarn in ADB 20 (1884) 374—378; Émile de Borchgrave Marie d’Autriche in Biographie Nationale de Belgique 13 (Brüssel 1894/95) col. 673—■ 685 und die beiden neueren Biographien von Jane de Jong Maria van Hongarije 2 Bände (Amsterdam 1947/51), in englischer Übersetzung Mary of Hungary (London 1959), und Ghislaine de Boom Marie de Hongrie (Bruxelles 1956). Brauchbar ist die gedruckte Dissertation von Wilhelm Stracke Die Anfänge der Königin Maria von Ungarn, späteren Statthalterin Karls V. in den Niederlanden (Göttingen 1940). 2) Siehe Heiß Politik und Ratgeber passim. 3) Sehr aufschlußreich zur wirtschaftlichen Macht des Königs und zur sozialen Struktur des Adels sind die von Harold Steinacker Über Stand und Aufgaben der ungarischen Verfassungsgeschichte in Austro-Hungarica. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge zur Geschichte Ungarns und der österreichisch-ungarischen Monarchie (München 1963) 59 nach Ignácz Acsády A Magyar nemesség és birtokviszonyai a Mohácsi vész után in Értekezések a történelmi tudományok köréből 14/9 (Budapest 1890) zitierten Zahlen, die ein Bild der Besitzverhältnisse nach den Steuerlisten geben, die 1553 von den 37 unter der Oberhoheit Ferdinand I. stehenden Komitaten angefertigt wurden. Danach gehörten nun — am Ende einer für den König ungünstigen Entwicklung, die nach dem Tod des Königs Matthias einsetzte — dem König 7% der Steuereinheiten, der Kirche 12%, den Städten 2%, dem Adel 79%, davon aber den Báthori 11% und den elf reichsten Familien 45%. 4) Heiratsvertrag 1515 Juli 22 Wien: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (HHStA) Familienurkunde 976 A, ed. Georg Pray Annales regum Hungáriáé, ab anno Christi 997 ad annum 1567 deducti 5 (Vindobonae 1770) 381 ff. 5) Schenkungsurkunde Kaiser Sigismunds für Barbara von Cilli 1424 (1428): Kopie im Hofkammerarchiv Wien (HKA) Vermischte ungarische Gegenstände 2 fol. 36—65, ed. Gusztáv Wenzel Okmányi adalék Borbála és Erszébet magyar