Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

BENNA, Anna Hedwig: Zu den Kronen Friedrichs III

Zu den Kronen Friedrichs III. 59 seines Leichnams in der Tumba des Hochgrabes von St. Stephan 1513 ge­prägten Auswurfmünzen 201) und schließlich auch noch auf einigen Me­daillen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 202) der Nachwelt über­liefert wurde. Zeitgenössische Berichte bestätigen den Befund der Bil­der 203). Der hochbetagte Kaiser bediente sich für repräsentative Anlässe einer den Formen der schwarzen Hauben, die er sonst auch trug, aber auch der Silhouette eines Turbans nicht unähnlichen Krone, die, verglichen mit den bekannten, konventionellen Kronen, ein Insigne sui generis darstellte. Sie bestand, wie die Bilder zeigen, aus einem schmalen goldenen Reif um die Stirn, sowie einem Stirnjuwel, von dem aus fünf bis sechs mit Edel­steinen und Perlen besetzte, schmale Goldbänder das Haupt des Trägers in flacher Silhouette umschlossen. Dieses von der Forschung als Span­gen- bzw. Turbankrone bezeichnete Insigne berechtigt zu der Frage nach Vorbildern und Ähnlichkeiten. Vergleiche mit den in zahlreichen Tafel­bildern überlieferten zeitgenössischen Kopfbedeckungen lassen gewisse Ähnlichkeiten in der Struktur, nicht aber im Material mit ähnlichen Hau­ben erkennen, die vorne einen Knopf hatten und mit Bändern und Stoff­teilen segmentartig überlegt waren; sie finden sich auf einem um 1500 ent­standenen Tafelbild eines Tiroler Meisters, die Krankenheilung durch den heiligen Wolfgang darstellend 204), sowie als Kopfschmuck eines Tänzers an der linken Söllerbrüstung des Goldenen Dacheis in Innsbruck 205). Ein Vergleich der Spangenkrone Friedrichs III. mit dem Turban Mehmeds des Eroberers auf dessen von Giovanni Bellini 1480 gemaltem Bildnis 206) und 201) Johann David Köhler Historischer Münz-Belustigung sechster theil (Nürnberg 1734) Abb. S. 393; vgl. Erich Egg Der Tiroler Taler. Ausstellungs­katalog (Innsbruck 1963) 18, Taf. 7 n. 85; Eger Ikonographie 87 f, 175, Taf. 72; Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt 385 nn. 201 bff; Nikolaus Grass Der Wiener Dom, die „Herrschaft zu Österreich“ und das Land Tirol (Innsbruck 1968) 78; Joss-Bennain Wiener Geschichtsblätter 24 499 Anm. 52. 202) Joanneum Graz: Bronzemedaille. Vgl. Georg Habich Inkunabeln der Deutschen Medaille in Pantheon 4 (1929) 314 Abb. 4; Eger Ikonographie 88 f. — Kunsthistorisches Museum Wien, Bundessammlung für Medaillen, Münzen und Geldzeichen Inv. n. 638 b (süddeutscher Meister 1526). Vgl. Fritz D w or­se h a k Die Renaissancemedaille in Österreich in JbKS NF 1 (1926) 213 f, Abb. 151, 216; Eger Ikonographie 100 n. 20a, Taf. 73/2; Maximilian I. Katalog der Ausstellung 82 n. 319/1. — Staatliche Kunstsammlung München: Medaille mit Doppelbildnis Friedrich III. — Maximilian I. von Utz Gebhart 1531. Vgl. Georg Habich Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts 2 (München 1932) 276 n. 1921; Eger Ikonographie 100; Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neu­stadt 385 n. 202. 2°3) Linzer Regesten A 2 n. 210, 68 (1492 Juli 5); Wiesflecker Maximi­lian I. 1 351. 204) Maximilian I. Katalog der Ausstellung 84 n. 359, Abb. 81. 205) Lutterottiin Schiern-Schriften 139 Taf. 30 Abb. 6. 20«) Franz Babinger Mehmed der Eroberer und seine Zeit (München 1959) Taf. 1.

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