Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
496 Literaturberichte geren Teil erst nach langen Verzögerungen abgeschlossen werden, andere kamen über die Anfänge nicht hinaus oder blieben ein Torso. In dem Vorherrschen von Teilleistungen kommt die Vielfalt der historischen Erscheinungen in dem landschaftlich wie kein anderes Bundesland aufgegliederten Niederösterreich zum Ausdruck, aber auch eine gewisse Schwäche der koordinierenden Faktoren, für die die Verunsicherung des Landesbewußtseins durch die politischen Veränderungen in den letztvergangenen Jahrzehnten, verbunden mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, eine nicht geringe Rolle spielen. Es kann daher nicht wundernehmen, daß trotz des fachlichen Bedürfnisses einer Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und der Bedeutung eines solchen Werkes für die Gewinnung eines neuen Selbstverständnisses des heutigen Bundeslandes Niederösterreich nur selten das Wagnis einer Gesamtdarstellung der Landesgeschichte in Angriff genommen wurde. Die Geschichte Nieder- und Oberösterreichs von Max Vancsa, erschienen in zwei Bänden (1905 und 1927!) konnte nicht abgeschlossen wrerden — sie reicht bis zum Jahre 1522 — und ist in Einzelheiten überholt; dennoch wurde sie 1966 in einer fotomechanischen Wiedergabe neuerlich angeboten. Schon zehn Jahre früher lag das hier zu besprechende Werk in einer ersten Fassung und bescheidenen Ausstattung gedruckt vor. Es ist in der vorliegenden Form in erster Linie als eine Art Ergänzung bzw. Fortsetzung Vancsas anzusehen, legt es doch den Schwerpunkt auf die Geschichte Niederösterreichs in der Neuzeit und behandelt auch die neueste Entwicklung bis zur unmittelbaren Gegenwart. Dieser Epoche sind rund zwei Drittel des Textes (S. 139—557) gewidmet. Während in den ersten beiden, je dreibändigen Auflagen die Darstellung mit der Einbeziehung in das Frankenreich und der Einrichtung der karolingischen Markenorganisation einsetzte, ist nunmehr ein kurzes Einleitungskapitel über Urgeschichte, Römerzeit und Völkerwanderung vorangestellt (S. 11— 24). Darin äußert sich ein Verzicht auf die Durchführung der ursprünglichen Planung, in der für diese Perioden zwei weitere Bände vorgesehen waren. Ist somit immerhin ein Überblick über den historischen Ablauf seit den ersten Spuren des Auftretens des Menschen gegeben, wurde unverständlicherweise unterlassen, auf die natur bedingten Voraussetzungen für das Werden des Landes, auf die räumlichen Abgrenzungen in den verschiedenen Zeitabschnitten, auf die geographischen und geopolitischen Komponenten, die seine historische Zentralfunktion im Donau-, Ostalpen- und Sudetenraum bedingten, in einer Einleitung einzugehen; der Veranschaulichung dieser Zusammenhänge hätten auch Kartenbeigaben gute Dienste erweisen können. Die Erfassung des Stoffes beschränkt sich nicht auf die politische, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, sondern bezieht auch die Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung und die Leistungen auf kulturellem, wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet ein. Damit wird eine Gesamtüberschau geboten, die naturgemäß — schon infolge der aus Raumgründen auferlegten Beschränkungen — in den Einzelheiten nicht voll befriedigen kann: Vieles mußte weggelassen werden, manches Angeführte scheint nicht zwingend notwendig, manche Bewertung ist angesichts der zahlreichen noch offenen Probleme voreilig oder diskussionswürdig, diffizile Erscheinungen kommen sehr vereinfacht zur