Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
PEYFUSS, Max Demeter: Die rumänische Propaganda in der „Makedonischen Frage“ im Jahre 1898. Ein Bericht des österreichisch-ungarischen Vizekonsuls in Monastir
DIE RUMÄNISCHE PROPAGANDA IN DER „MAKEDONISCHEN FRAGE“ IM JAHRE 1898 EIN BERICHT DES ÖSTERREICHISCH-UNGARISCHEN VIZEKONSULS IN MONASTIR Von Max Demeter Peyjuss Makedonien, in den letzten Jahrzehnten vor dem Zerfall der europäischen Türkei zermartert von den unausgegorenen Reichsideen chauvinistischer Volksschullehrer, zerfleischt von der Guerilla, von Bandenkämpfen und Attentaten und schließlich dreigeteilt von den Armeen der beutewütigen christlichen Nachbarstaaten, ist immer noch nicht außer Streit gestellt. Während aber heute vor allem Jugoslawien und Bulgarien einander mehr oder minder offensichtlich in den Haaren liegen und Griechenland eher die Rolle des lachenden Dritten spielt, hat es damals neben den Interessen der Türkei, der Balkanstaaten und der Großmächte eine Reihe weiterer Bewegungen und Propaganden politischer, nationaler und religiöser Natur gegeben. Für die kleine Volksgruppe der Aromunen l) (Vlachen, Zinzaren, Maze- dorumänen), die heute in ganz Südosteuropa verstreut etwa 400.000 Seelen * 7 i) Eine neue genealogisch-deskriptive Definition der Aromunen gab kürzlich Matilda Caragiu-Marioteanu Definition einer Volksgruppe. Glotta und Ethnos der Aromunen in österreichische Osthefte (= ÖOH) 13 (1971) 2 140—151, hier 148: „Die Aromunen („ar[u]mäni“, „rumäni“ nennen sie sich selbst) sind bei den Nachbarvölkern unter den Namen Blahoi, Koutsoblahoi, Cincari, Remér, Cobén, Belivlasi bekannt und wurden von Wissenschaftlern Moisiodakes, Römano-blahoi, Aromäni, Macedo(-)romäni, Mazedorumänen, Mazedowalachen oder Aromunen genannt. Sie sind die Nachkommen der roma- nisierten thrako-dakischen Bevölkerung zwischen dem Unterlauf der Donau und dem Balkan; zusammen mit der romanisierten geto-dakischen Bevölkerung im N der Donau haben sie zwischen dem 5. und 8./9. Jh. ein einziges Volk gebildet, die Rumänen (Vlachen); das Eindringen der Slaven im Lauf des 6. und 7. Jahrhunderts hat sie nach Süden abgedrängt und die Teilung des Rumänen- tums herbeigeführt; sie leben heute in mehr oder weniger kompakten Gruppen auf der Balkanhalbinsel (in Griechenland, Jugoslavien, Albanien und Bulgarien) und zählen etwa 400.000 Seelen (davon über 200.000 in Griechenland); sie sprechen ein romanisches Idiom, das Aromunische („limba armäneasci“ nennen sie es selbst), das in materieller und typologischer Hinsicht sehr nahe mit dem Dakorumänischen verwandt ist“. Zum Thema der Aromunen siehe außerdem: Gustav Weigand Die Aromunen 1—2 (Leipzig 1894—1895); A. J. B. Wace-