Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie

Armeereorganisation 1881—1883 257 Generalmajor Graf Waldersee, der im Dezember 1881 zur Entlastung des Generalstabschefs Generalfeldmarschall Graf Moltke zum Generalquartier­meister ernannt worden war, hielt die Situation nach dem Skobelev- zwischenfall für sehr kritisch. Seine Stellung brachte es mit sich, daß er mit dem österreichischen Militärattache in Berlin, Major Steininger, re­gen dienstlichen Verkehr hatte. Als Waldersee nach Skobelevs Warschauer Rede wiederum im März mit Steininger zusammentraf, bemerkte er, daß FML Beck schon vor einiger Zeit zum Militärattache bei der deutschen Botschaft in Wien, Obstl. Graf Wedel, gesagt habe, „daß wohl bald die Zeit kommen könnte, um sich über unseren beiderseitigen Aufmarsch zu verständigen“. Er halte „nun die Situation für kritisch und möglicherweise würde dies bald zur Tatsache werden können“ * 63 64 6S). Wie den Marginalien auf dem Bericht Steiningers über diese Audienz zu entnehmen ist, bildete derselbe den Gegenstand einer Audienz Kálnokys bei Kaiser Franz Jo­seph, über die leider keine Einzelheiten bekannt sind. Kálnoky wurde aber beauftragt, dem Prinzen Reuß mitzuteilen, der Chef des Generalsta­bes könne jederzeit die Ermächtigung zu solchen Besprechungen erhal­ten. Franz Joseph und Kalnóky sahen darin eine durch die politische Lage gebotene Vorsichtsmaßregel, zu der nicht zuletzt die Inangriffnahme der Heeresreform nötigte. Ende März hielt Waldersee die Lage für ruhiger, doch müsse „eben alles früher zwischen Österreich und Deutschland besprochen und abge­macht werden, damit, wenn man erfährt, daß Rußland zu rüsten beginne, man demselben sofort zuvorkommen vermöchte“. Wann und wo Bespre­chungen geführt werden sollten, würde wohl von Bismarck und Kálnoky festgelegt werden64). Als Steininger im April den von Waldersee ange­regten Austausch von Aufmarschberechnungen befürwortete, stimmte auch Franz Joseph zu: „Der Austausch der Mitteilungen scheint mir sehr erwünscht und wäre daher dem ... Wunsche des Generals Waldersee zu entsprechen“ 65). Mit der Übergabe von Elaboraten über die Kräftegrup­pierung und die Aufmarschräume begann ein Austausch gegenseitiger Mitteilungen, der nicht mehr abriß 66). Waldersee gelang es nun, von Bismarck die Billigung zu einer Bespre­chung mit Beck zu erlangen. Der Reichskanzler stellte nur die Bedingung, daß keine bindenden Abmachungen getroffen würden. 295 meint, die Anregung sei von Waldersee gekommen. Aus dem Bericht des Prinzen Reuß, den Windelband zitiert, geht jedoch hervor, daß Bismarck eine von Beck vorgebrachte Idee billigte, die dieser Obstl. Wedel gegenüber ausge­sprochen hatte. 63) KA KM Präs 47-4/21 ex 1882. 64) Denkwürdigkeiten des General-Feldmarschalls Alfred Grafen von Wal­dersee 1832—1904, ed H. O. Meissner 1 (Berlin 1922) 219 f. 65) KA KM Präs 47-4/30 ex 1882 (Steininger an Bylandt mit Bemerkung des Kaisers). 6«) KA Generalstab Res. nn. 780 und 904 ex 1882; KM Präs 47-4/30 ex 1882. Mitteilungen, Band 27 17

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