Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie
DIE ARMEEREORGANISATION DER JAHRE 1881—1883 IN DER DONAUMONARCHIE Von Franz Hlavac I. Die Genesis der Reform (S. 239); Reformvorschläge (S. 242); Beratung der Projekte (S. 245); Einfluß der Volkszählung von 1880 (S. 250); Entscheidung für die Reform (S. 251); Gedankenaustausch mit Deutschland (S. 255). — II. Grundzüge der neuen Konzeption: Neufassung und Beratung der Organisationsbestimmungen (S. 259); die neue Organisation (S. 266). — III. Resümee (S. 273). Die staatsrechtliche Struktur der Doppelmonarchie brachte mannigfaltige Probleme für die Armee Österreich-Ungarns. Das galt in politischer Hinsicht auf Grund der Teilung des ganzen Reichsgebietes in drei Verwaltungseinheiten ebenso wie in militärischer Beziehung, da durch die beiden Staatsindividualitäten und ihren südslawischen Anhang auch eine entsprechende Organisation des Kriegsinstruments bedingt wurde. Die Hauptschwierigkeit stellte die als Folge des Ausgleichs von 1867 ins Leben getretene Spaltung in die gemeinsame Armee und die beiden Landwehren und damit auch in drei Ressortministerien dar. Besondere Probleme brachten überdies Verhandlungen in den Belangen, die mit den zivilen Bereichen verknüpft waren, wie beispielsweise das Pferdestellungs- oder Kriegsleistungsgesetz oder das Eisenbahnwesen. Wie es trotz dieser Schwierigkeiten gelang, mit der Reorganisation von 1881—1883 eine Neuorganisation des Heeres vorzunehmen und im wesentlichen jene Organisation vorzubereiten, mit der die Armee in den ersten Weltkrieg ziehen sollte, will dieser Aufsatz zeigen. Nach dem Feldzug von 1866 bemühte man sich, aus den Erfahrungen von Königgrätz zu lernen, führte die allgemeine Wehrpflicht ein, forcierte den strategischen Eisenbahnbau, die moderne Bewaffnung und die langfristige Vorbereitung der Mobilmachung nach preußischem Vorbild. An all diesen Dingen nahm der Kaiser persönlichen Anteil, treibende Kraft war vor allem Erzherzog Albrecht als Generalinspektor des Heeres *). Diese nach 1866 neu organisierte Armee Österreich-Ungarns stand damals auch im Einklang mit den Einrichtungen der fremden Armeen, insbesondere mit Rücksicht auf den damaligen Grad der Mobilisierungs- und Aufmarsch!) Vgl. Walter Wagner Geschichte des k. k. Kriegsministeriums 2: 1866— 1888 (Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie 10, Wien 1971) passim.