Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
BALISCH, Alexander: Die Entstehung des Exerzierreglements von 1749. Ein Kapitel der Militärreform von 1748/49
Exerzierreglement 1749 193 das erste allgemein angewandte österreichische Exerzierreglement war, dessen genaue Einhaltung striktest durchgeführt wurde; es lieferte das praktische Mittel, der österreichischen Armee wieder ihre ehemalige Schlagkraft zu verleihen. Die Einführung dieses Reglements war natürlich nicht allein verantwortlich für diese Erhöhung der Schlagkraft des Heeres. Daun verstand es, die Durchführung der neuen Vorschriften durchzusetzen und der Armee einen neuen Geist einzuflößen; darin lag vielleicht sein größtes Verdienst. Um den Erfolg der Reformen zu demonstrieren, ist es gar nicht nötig, auf den möglicherweise anekdotischen .Beweis“ des Ausrufs Friedrich des Großen während der Schlacht bei Lobositz (1756) hinzuweisen: „Dies sind nicht mehr die alten Österreicher.“ Diese erste Schlacht des Siebenjährigen Krieges war eigentlich, obwohl FM Browne mit seiner Hauptmacht das Feld räumte, eine unentschiedene Schlacht, da die österreichische Hauptmacht unversehrt geblieben war und der Rückzug von verschiedenen Kritikern als unverständlich bezeichnet wird. In dieser, wie in allen von den Österreichern verlorenen Schlachten dieses Krieges war die österreichische Schlachtenlenkung der preußischen unterlegen. Hinweise auf eine Unterlegenheit der österreichischen Truppen gegenüber den preußischen in bezug auf Ausbildung und Disziplin können in den Quellen nirgends mehr gefunden werden, während diese Unterlegenheit während der ersten zwei Schlesischen Kriege so deutlich hervorgetreten war. Während die Österreicher in jeder der Schlachten der ersten zwei Schlesischen Kriege von den Preußen geschlagen worden waren, waren sie im Siebenjährigen Kriege in der Lage, die Preußen in mehreren Schlachten und Gefechten zu besiegen. Selbst die preußischen Siege des Siebenjährigen Krieges waren keine entscheidenden. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß die Einführung der allgemeinen Reglements nur einen Teil, wenn auch einen sehr wichtigen, der gesamten Staats- und Armeereformen Maria Theresias darstellte. Die Energie und Entschlossenheit der Kaiserin, verbunden mit ihrer Fähigkeit, in den meisten Fällen zumindest, den richtigen Mann für die richtige Position zu wählen, brachte sie dem Ziel, das ihre Vorgänger angestrebt hatten, der Zentralisierung und damit der Rettung des Staates, einen bedeutenden Schritt näher. Die Zentralisierung des Staatsapparates hatte es Preußen früher als Österreich ermöglicht, eine schlagkräftige Armee ins Feld zu stellen und die Möglichkeiten und Forderungen der Entwicklung der Waffentechnik auszunutzen. Diese Zentralisierung ermöglichte es nun Österreich, das Gleiche zu erreichen. Die Preußen hatten Reglements für die gesamte Infanterie schon im Jahre 1702 eingeführt und waren dann in der Lage, diese allmählich zu verbessern. Die Österreicher hatten erst eine derartige Gleichförmigkeit einzuMitteilungen, Band 27 13