Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

BALISCH, Alexander: Die Entstehung des Exerzierreglements von 1749. Ein Kapitel der Militärreform von 1748/49

Exerzierreglement 1749 189 darin, wie wichtig es wäre, Inspekteure und einen ,Inspecteur General1 zu ernennen, um die notwendige Gleichförmigkeit in der Ausbildung zu er­reichen und zu erhalten. Weder Prinz Karl noch FZM Daun war es jedoch möglich, die Kaiserin in dieser Angelegenheit umzustimmen, und erst nach dem Siebenjährigen Krieg wurde der Vorschlag wieder auf genom­men und auch verwirklicht B9). Obwohl Maria Theresia die Ernennung von Generalinspekteuren abge­lehnt hatte, machte das Training der Regimenter nach den neuen Exer­ziervorschriften doch gute Fortschritte, wenn man den von Daun und ande­ren Generälen gemachten offiziellen Meldungen vertraut70 *). Obwohl kein Generalinspekteur ernannt worden war, wurden FZM Daun und eini­ge andere Generäle beauftragt, jährliche Inspektionsreisen zu unterneh­men und über den Unterricht der Regimenter in den neuen Vorschriften zu berichten. Dauns Inspektionsmeldung von 1750 macht den Eindruck von Objektivität und Vollständigkeit und enthält Dauns Urteil über die Offi­ziere — vom Hauptmannsrang aufwärts — in den inspizierten Regimen­tern. Daun spricht in diesem Bericht sein Erstaunen über den Fortschritt aus, welcher in so kurzer Zeit in der Beherrschung der neuen Exerzier­vorschriften gemacht wurde n). Eine Neueinführung, welche großen Anteil an der Verbesserung der Aus­bildung der österreichischen Armee hatte, waren die im Jahre 1749 einge­führten jährlichen Manöver und Übungslager, welche die Kaiserin auch oftmals selbst inspizierte. Obwohl diese Manöver eher Paraden und Schau­stellungen von Exerziervorführungen als Manövern in modernem Sinn glichen, besonders wenn die Kaiserin samt Hofstaat und Hofdamen er­schien, so fanden doch bereits einige Übungen statt, in welchen Schein­kämpfe durchgeführt wurden. Der oft zitierte Cognazo berichtet über einen fatalen Zwischenfall, der sich während eines 1749 stattfindenden Manövers zutrug. Bei dieser Übung, in welcher sich österreichische und ungarische Regimenter in einem Scheingefecht gegenüberstanden, rissen ungarische Soldaten, Schein mit Wirklichkeit verwechselnd, ihre Uniformknöpfe ab und verwendeten sie an Stelle von Kugeln. Die öster­reichischen Truppen revanchierten sich, indem sie ihre Ladestöcke gegen den ,Feind' schossen. Das tragikomische Ergebnis dieses Manövers waren einige Tote und fast hundert Verwundete72). Solch ein Vorfall ist ver­ständlich, wenn man die Neuheit der Manöver und die noch nicht verbes­serte Disziplin der Armee in Betracht zieht. 9») Drei Generalinspekteure wurden im Jahre 1765 ernannt: FML Lacy für die Infanterie, FML d’Ajasasa für die Kavallerie und FML von Beck für die Artillerie. 7«) KA FA/CA 9/1/1750 und HKR Exp. 1749 — September — 512. ’i) KA FA/CA 9/1/1750. 72) (Jacob de Cognazo) Freymüthiger Beitrag zur Geschichte des öster­reichischen Militärdienstes (Frankfurt—Leipzig 1780) 24.

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