Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

THOMAS, Christiane: „Moderación del poder“. Zur Entstehung der geheimen Vollmacht für Ferdinand I. 1531

Moderación del poder 115 religiösen Überzeugung geprägt wurde63). Während Ferdinand noch unge­duldig auf die von Karl zurückgehaltenen Vollmachten wartete, wurde am 27. Februar der Bundesvertrag unter den Schmalkalden-Anhängern ge­schlossen, den Kurprinz Johann Friedrich im Oktober 1531 als geeignetste Basis für einen Oppositionsbund gegen Ferdinand ansah64). Schon mit dieser Einmütigkeit der evangelischen Fürsten drohte den Habsburgern Gefahr; die etwaige Hoffnung, das Ziel der Verbündeten richte sich doch in der Hauptsache auf die Erhaltung ihrer Religion, wurde in dem Augen­blick zerstört, als der bayerische Gesandte Weissenfeider in Zwickau auf­tauchte 6S). Johann handelte zwar bedächtiger als Philipp und wies es von sich, mit Zapolya zu paktieren, was für ihn fast gleichbedeutend mit einer Annäherung an die Türken war66), erkannte auch bald, daß nicht alle Reichsstädte gegen Ferdinand zu gewinnen waren67), zögerte aber nicht, engste Verbindung mit dem katholischen Bayern zu suchen, sich an das katholische Frankreich heranzutasten und die Internationalität der Anti- Habsburg-Front durch England auszuweiten68): Beiden außerdeutschen Souveränen, an die außerdem eine Gesandtschaft abgefertigt werden sollte, wurden die Schmalkaldener Proteste übermittelt69). Während Heinrich VIII. mit einer Antwort zögerte70), war Franz I. sofort bereit, ohne sich direkt gegen die neue Würde Ferdinands zu erklären, ganz im allgemeinen die fürstliche Fronde zu unterstützen. Schon eine Woche, nachdem Ferdinand den Empfang der Gewaltbriefe bestätigt hatte, nahm Guilleaume de Bellay sein Credentiale als französischer Botschafter bei Philipp von Hessen entgegen7l), und Anfang April fing Karl deutsch­geschriebene Briefe aus Frankreich auf, in denen die „desvoyéz de la 63) Ascan Westermann Die Türkenhilfe und die politisch-kirchlichen Parteien auf dem Reichstag zu Regensburg 1532 (.Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte 25, Heidelberg 1910) 10. 64) Winckelmann Schmalkaldischer Bund 52; Mentz Johann Fried­rich 81 f. 65) Siehe oben S. 111 und Anm. 43. 88) Winckelmann Schmalkaldischer Bund 82. 87) wie Anm. 41 fol. 23 v. Die Städte schieden klar zwischen den verschiede­nen Zielen des Bundes: Hinsichtlich der Glaubensfrage bejahten sie die Mit­gliedschaft, Ferdinands Wahl aber faßten sie als politischen Akt auf, dem sie die Anerkennung nicht versagten: Westermann Türkenhilfe 11. Sie fürchteten vielleicht auch, sich politisch zu sehr zu exponieren: Rommel Geschichte von Hessen Anmerkungen 57 n. 96; Müller Kurie 136. Gegnerschaft zum neuge­wählten König konnte sich bei dem politisch schwächsten Reichsstand leicht rächen. 88) Winckelmann Schmalkaldischer Bund 82; Politisches Archiv 3 167. 69) Rommel Geschichte von Hessen 82; Politisches Archiv 3 166. 70) Erst im November 1531 äußerte sich der König definitiv für beide An­liegen — Nichtanerkennung Ferdinands und Erklärung für den Bund — ableh­nend: Bucholtz Ferdinand der Erste 4 154 Anm. 71) Rommel Geschichte von Hessen 83; Winckelmann Schmalkaldi­scher Bund 82. 8*

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