Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

472 Literaturberichte Der Vf. geht allerdings zu wenig auf die Schwierigkeiten in der Besatzungszeit und auf die grundsätzliche Pflicht der österreichischen Regierung ein, keinerlei Verantwortung für die Handlungen des Dritten Reiches in Österreich in der Zeit der deutschen Fremdherrschaft zu über­nehmen. Auch die Haltung eines neutralen Staates gegenüber der Politik Israels dürfte hier nicht außer Acht gelassen werden. W. schildert auch ausführlich die Unterschiede in der Haltung der ein­zelnen politischen Parteien. Erst 1961 konnte mit der 12. Novelle zum Opferfürsorgegesetz eine befriedigende Lösung gefunden werden. Der Vf. hätte nach der Praxis der letzten zehn Jahre aber auch hier noch eine großzügigere Lösung postulieren können. Die Arbeit beweist, wie weit die Zeitgeschichte in unsere Gegenwart zu steigen hat. Die nunmehr durch­gesetzte Richtung in der österreichischen Geschichtswissenschaft ver­spricht, daß auch hier der Standard des Auslandes eingeholt wird. REZENSIONEN Quellenwerke Schlesisches Urkundenbuch. Hg. von der Historischen Kommission für Schlesien. Bearb. von Heinrich App eit. Band 1, Lieferung 1: 971—1216. Verlag Her­mann Böhlaus Nachf., Graz—Köln 1963. XII, 112 S. — Lieferung 2: 1217— 1230. Graz—Wien—Köln 1968. S. 113—240. — Lieferung 3: Fälschungen und Register. Wien—Köln—Graz 1971. S. 241—424. Inhalt, Geleitworte, Vorwort, Einleitung XL S. Auf die Gefahr hin, ein sattsam bekanntes, ja abgedroschenes Wort wiederum bemüht zu haben, muß für die vorliegende Publikation das Motto „habent sua fata libelli“ gesetzt werden. Die Geschichte der Ur­kundenedition wird wohl nicht allzu häufig eine mühsamere und kompli­ziertere Arbeitsweise für das Zustandekommen eines Urkundenbuches zu verzeichnen wissen. Wir wollen nicht die einzelnen Stadien der Entste­hungsgeschichte, Anfang, Unterbrechung, Wiederaufnahme der Vorberei­tung, des langen und breiten erörtern — dies alles kann im wohltuend maßvollen, sich jeder Polemik enthaltenden Vorwort (S. XI—XIV) und dem ersten Abschnitt der Einleitung (S. XV—XXII) des Herausgebers nachgelesen werden —, wir wollen lediglich das Ergebnis dieses durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs so stark behinderten wissenschaft­lichen Unternehmens festhalten: Auf der Grundlage der Materialsamm­lung der Historischen Kommission für Schlesien, die in den dreißiger Jah­ren aufgebaut wurde, entstanden sowohl der von polnischer Seite (Male- czynski) bearbeitete, in drei Bänden bis 1227 reichende Codex Diplomati- cus nec non Epistolaris Silesiae (1951—1964) als auch der drei Lieferungen umfassende erste Band des Schlesischen Urkundenbuches. Die auffallende

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