Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

MIKOLETZKY, Lorenz: Siebenter Internationaler Archivkongreß Moskau 1972

Archivkongreß Moskau 463 die richtige Antwort, wenn er meinte, daß „viele bezüglich des Archiv­wesens als entwickelt geltende Länder — und das muß verwunder­lich sein — meinen, sie selbst besäßen keine genügende Zahl von ausge­bildeten Fachleuten, die sie im Auslande einsetzen könnten, und nur we­nige seien dazu fähig, sich im eigenen Lande an der Ausbildung der Archivare zu beteiligen. Es ist zweifelsohne leichter, Fachleute für einen kurzzeitigen Einsatz im Rahmen von Missionen für Planungs- und For­schungszwecke zu finden, und eben dadurch läßt es sich erklären, daß die meisten Sachverständigenmissionen solchen Charakter tragen. Es ist wohl das Fehlen von jeglichen Traditionen im Auslandsdienst in vielen Ländern eine der Tatsachen, die den Unwillen von Fachleuten bedingt, eine Dienst­reise für ein Jahr und darüber anzutreten. ... Viele erfahrene Archivare besitzen eine gute Stellung in ihren eigenen Ländern und wollen nicht ihre Laufbahn für einen freiwilligen Dienst im Auslande ohne gebührende Entschädigung oder andere triftige Gründe unterbrechen“. Einige Teilnehmer hatten im Anschluß an den Kongreß Gelegenheit, anläßlich ihrer diversen Touren andere Staatsarchive der UdSSR zu be­sichtigen und mit den Beamten Kontakt aufzunehmen. In Moskau war eine Archivbesichtigung im Rahmen der Tagung möglich. Der Direktor des Ukrainischen Staatsarchivs empfing in Kiew eine Gruppe von Archi­varen aus den verschiedensten Ländern (Kanada, Vatikan, Bundesrepu­blik Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Venezuela und Österreich) zu einem Gedankenaustausch und zur Führung durch das Archiv, welches seit seiner 1943 erfolgten Gründung einen enormen Aufschwung erlebt hat. Seit diesem Jahr wurden 29 Dokumentationen herausgegeben, darun­ter vier Bände über den Bürgerkrieg in der Ukraine und 18 Bände des Städtebuchs .Weitere acht sind in Vorbereitung. Nach der Vollendung des neuen Hauptgebäudes (1970) erhält nun das Photo-Film-Archiv einen Neubau auf 3500 m2 zur Lagerung von 200.000 Photodokumenten und 25.000 Tonfilmen. Der älteste Film stammt aus dem Jahr 1909. Ein Drittel aller Archivare besitzt abgeschlossene Hochschulausbildung. Aber durch die Archivneubauten und die damit ermöglichte Erweiterung ist dem Archivwesen der UdSSR auch ein neuer Aufgabenbereich zugewachsen: die Erweckung des Interesses der Bevölkerung an der Geschichte. Durch einen eigenen Vortragssaal in Kiew, wo auch die Möglichkeit der Film­präsentation gegeben ist, kann diese Aufgabe bewältigt werden und zei­tigt, wie versichert wurde, schon große Erfolge. Ein ebensolcher Empfang wurde der Gruppe in Wolgograd zuteil. Die­ses 1923 gegründete Archiv erlitt ebenso wie Kiew im Zweiten Weltkrieg große Verluste, ist aber heute wieder im Wachsen begriffen und derzeit damit beschäftigt, einen systematischen Katalog der vorhandenen Doku­mente anzulegen. 1971 erschien neben dem Werk Lenin und die Region von Wolgograd eine großangelegte Stadtgeschichte. In vier Jahren (1976) wird der fruchtbare Meinungsaustausch in den USA anläßlich des achten Internationalen Archivkongresses fortgesetzt werden können.

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