Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
AUER, Leopold: Egon Schiele und das Heeresmuseum
Egon Schiele und das Heeresmuseum Von Leopold Auer (Wien) Wie für viele Künstler seiner Zeit bedeutete der Ausbruch des ersten Weltkriegs auch für Egon Schiele eine äußerste Gefährdung der künstlerischen Existenz. Vielleicht zu ungeschickt oder auch im Vertrauen auf seine anfängliche Zurückstellung hatte er es verabsäumt, sich rechtzeitig um Protektion umzusehen, und mußte am 21. Juni 1915 in Prag, wo die Familie heimatberechtigt war, seinen Militärdienst antreten1). Zwar kehrte er schon im Juli nach Wien zurück, wo er in der Umgebung für Bewachungsarbeiten verwendet wurde, doch an eine künstlerische Tätigkeit war unter diesen Umständen natürlich nicht zu denken, und verschiedentlich kommt in Briefen und seinem Kriegstagebuch2) das Unerträgliche dieser Situation zum Ausdruck. Um seine Lage zu verbessern, versuchte Schiele schon 1916 über den Kritiker Arthur Roessler eine Abkommandierung an das Kriegsarchiv zu erreichen 3), statt dessen kam es im Mai desselben Jahres zu einer Versetzung in das Kriegsgefangenenlager Mühling bei Wieselburg, wo Schiele in der Provianturkanzlei beschäftigt wurde. Von hier brachte ihn ein Bekannter, der Kunsthändler Karl Grünwald, Anfang 1917 schließlich an die k. u. k. Konsumanstalt des Heeres für die Gagisten der Armee im Felde in Mariahilf, deren Leiter Dr. Hans Rosé — von der Bedeutung Schieies überzeugt — ihm den Dienst so angenehm wie möglich machte 4). Trotzdem erwiesen sich auch hier die Schreibarbeiten der Schaffenskraft des Künstlers als äußerst hinderlich, und so kam Schiele auf die Idee, sich um eine Kommandierung an das Heeresmuseum zu bewerben, das durch seine umfangreiche Dokumentationstätigkeit in allen den Krieg berührenden Bereichen auch bereits für Maler wie Faistauer und Fahringer eine Zufluchtstätte geworden war. 1) Egon Schiele. Leben und Werk. Katalog der 23. Sonderausstellung des Hist. Museums der Stadt Wien, 5. April—15. September 1968 (Wien 1968) 38. 2) Vgl. Alessandra Co mini Egon Schieies Kriegstagebuch 1916 in Albertinastudien 2 (1966) 86—102. 3) Vgl. die Eintragungen im Kriegstagebuch vom 11. März, 5. April und 1. Mai 1916: C o m i n i Schieies Kriegstagebuch 94 und 97 f. 4) Wolfgang Fischer Egon Schiele als „MilitaerZeichner“ in Albertinastudien 2 (1966) 78.