Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
MIKOLETZKY, Lorenz: Vom Kaiserspital zum Klein-Mariazellerhof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude
434 Lorenz Mikoletzky und können daher sogleich bezogen werden. Die Archivs-Direktion hat sonach wegen Übertragung der Archivsakten ungesäumt das Nöthige zu veranlassen, und sich wegen der hier zu erforderlichen Beihilfe unmittelbar an die bereits entsprechend angewiesene Dikasterial-Gebäude-Direktion zu wenden. Nachdem übrigens von den bisherigen Archivslokalitäten jene, welche sich an der linken Seite der Stiege befinden, zur Unterbringung des Preßgerichts bestimmt sind, so wird mit der Räumung dieser Lokalitäten zu beginnen sein. Wien ... Schwarzenberg 19). In der Zeit zwischen dem 26. Juni und dem 19. August 1848 bezog das Hofkammerarchiv sein neues Heim, und damit kamen die Bestände in jene übersichtliche Aufstellung, die heute noch aus dem damals angelegten „Generalindex“ ersichtlich ist. Nach Beendigung der Hauptarbeit übermittelte der Direktor, Franz Grillparzer, am 26. September desselben Jahres dem Finanzministerium folgenden Bericht: „Die mittelst des hohen Dekretes vom 20. Juni 1848 Z. 21742/327 angeordnete Übersiedlung des Finanz-Ministerial-Archives in sein neues Lokale ist gegenwärtig vollendet. Man hat damit die Zeit vom 26. Juni bis 19. August, also nach Abrechnung der Sonn- und Feiertage, dann einer eintägigen Störung durch Regenwetter, 47 Arbeitstage zugebracht. Wenn beim ersten Anblicke dieser Zeitraum kein geringer scheint, so zeigt doch die nähere Betrachtung, daß alles geleistet wurde, was Menschenmöglicher Weise zu erwarten war. Nebst der Maße seines Bestandes von 20.000 Faszikeln und mehr als 7000 Büchern, wozu noch die Urkunden- und Patenten-Sammlung, dann eine Menge montanistischer Mappen und Karten kommt, ist das Finanz-Ministerial-Archiv nicht wie eine kurrente Registratur, wo Bezeichnungen, Jahres- und Faszikel- Nummern in ununterbrochener Reihe fortlaufen, so daß allenfalls ein im Lesen geübter Amtsdiener oder Arbeiter bei der Aufstellung hilfreich sein kann. Die aus den Kinderzeiten des Geschäftsganges herangewachsenen Archivsakten finden sich mitunter so wunderlich individualisiert, so von Verhandlungen längst erloschener, kaum noch dem Namen nach bekannter Ämter, Kommißionen, Spezial- und Personal-Wirksamkeiten durchkreuzt, in ihrer bisherigen Aufstellung oft nur nach den Bedürfnißen des Raumes und des allmählichen Zuwachses geordnet, daß die Abräumung allerdings in viel kürzerer, dafür aber die neue Aufstellung nur in unabsehbar längerer Zeit hätte zu Stande gebracht werden können. Da es sich demnach darum handelte, theils die alte, aus den bloßen Überschriften kaum erkennbare Ordnung beizubehalten und ersichtlich zu machen, theils eine neue systematische erst herzustellen, so blieb nichts übrig, als sämmtliche Faszikel, nachdem sie mit der Vorschreibung verglichen waren, im alten Lokale mit fortlaufenden Aufstellungs-Nummern zu bezeichnen, welche allein es möglich machten, bei der neuen Einreihung sich auch von minder geschäftserfahrenen Individuen an die Hand arbeiten zu lassen. Die Numerirung des ganzen Akten-Vorrathes hat der erste Adjunkt Bayer, unterstützt von dem Akzessisten Rodler, die Leitung der neuen Aufstellung der Adjunkt Hofmann mit ebenso großer Umsicht als körperlicher, beinahe knecht- licher Anstrengung besorgt. Die Handarbeit bei Aufstellung der durch die beigegebenen Tagarbeiter zugetragenen Faszikel ist von den beiden Hausdienern Mach und Butschak geleistet worden. Das übrige Personale hat durch Überwachung des Auf- und Abladens, Begleitung der Wagen und Besorgung der in 19) HKA Archivverhandlungen 1848 fol. 379.