Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
BENNA, Anna Hedwig: Zum AEIOV Friedrichs III. Auslegungen des 15. Jahrhunderts
Zum AEIOV Friedrichs III. 425 aufzunehmen, sie enthält auch solche, die man als politische Propaganda der zahlreichen Gegner Friedrichs bezeichnen könnte. Als zeitlich älteste, durch andere Quellen gut belegte Invektive muß n. 1 genannt werden. Der unbekannte Verfasser einer Chronik, der eine der frühen Deutungen der Fünfvokale an einem Kastenmöbel gesehen hatte 56), wußte von der intensiven Bautätigkeit Friedrichs in der Wiener Burg am Ende der Dreißigerjahre zu berichten und auch davon, daß der König die Fünf vokale an einigen Stellen anbringen ließ, worauf ihm jemand „ze smach ,Aller erst ist Österreich verdorben1 “ über die vermutlich in Majuskelbuchstaben gesetzten Fünfvokale schrieb 57). Friedrich selbst qualifizierte das Verhalten der Österreicher gegen ihn auf den Landtagen von 1440/41 als ärger als das, welches Böhmen und Ungarn gegen ihre Herrschaft an den Tag legten 58). Das von ihm notierte harte Wort „kreuczen, kreuczen“ fiel tatsächlich, wie andere Quellen bestätigen. Es war Graf Stephan von Schaunberg, der den Ruf „Kreuzigt den König der Juden“ erhob 59). Als Abwandlung von Auslegung 1 mag die Auslegung 9 betrachtet werden, die ihrem Inhalt nach der Besetzung weiter österreichischer Landesteile durch Mathias Corvinus entsprach. Eine ähnliche bedauernde Feststellung stammt aus der Feder des Jakob Unrest, des geschichtskundigen Pfarrers von St. Martin am Techelsberg, der anläßlich der Besetzung Wiens durch die Ungarn 1485 meinte, nun sei die Auslegung der Fünfvokale „Aller erst ist Österreich verloren“, die zwar von Anfang an nicht so gedacht war, wahr geworden 60). Der Situation nach dem Tode König Mathias im April 1490 und vor allem der durch König Maximilian in die Wege geleiteten Vertreibung der Ungarn von österreichischem Territorium61) dürfte Auslegung 8 entsprechen, die allerdings dem Kaiser das Verdienst der Befreiung zuschreibt. In den Bereich der persönlichen Invektiven gegen Friedrich III., der vielen Angriffen ausgesetzt war, führen die Interpretationen 5 und 6. An vorderster Stelle erscheint in 5 eine Eigenschaft des Kaisers, der auch 56) Vgl. oben Anm. 35 und 36. 57) Lhotsky in MÖStA Erg. 1 541; dsbe Aufsätze und Vorträge 2 176, 182. — Zur Bautätigkeit Friedrichs III. an der Wiener Burg vgl. Lhotsky in MÖStA Erg 1 546; dsbe Aufsätze und Vorträge 2 171; Harry Kühnei Die Hofburg zu Wien (Graz—Köln 1964) 12 f. 58) Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 199 f. 5») Lhotsky in MÖStA Erg. 1 545 f; dsbe Aufsätze und Vorträge 2 183 Anm. 59; Franz Keiblinger Geschichte des Benediktiner-Stiftes Melk in Niederösterreich 1 (Wien 21867) 554 Anm. 2; Karl Gutkas Der Mailberger Bund von 1451 in MIÖG 74 (1966) 57. so) Jakob U n r e s t österreichische Chronik (MGH SS rerum Germanicarum n. s. 11, hg. von Karl Großmann, Weimar 1957) 155; Lhotsky in MÖStA Erg. 1 546; dsbe Aufsätze und Vorträge 2 176. 6i) Vgl. Hermann Wiesflecker Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende der Neuzeit 1 (Wien 1971) 287 f.