Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

GOLDINGER, Walter: Der archivalische Grundstock der Autographensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

78 Walter Goldinger zu übertreffen. In den Archiven seien die Autographen vornehmer und berühmter Männer kaum am Platz, weil diese Depositorien nicht zugäng­lich sein könnten. Als geeigneter Ort käme einzig die Hofbibliothek in Frage, weil es in deren Bestimmung läge, „der Neugier und Wißbegierde gleich mitteilend sich zu erweisen“. Die Kommission kam in ihrer Sitzung vom 19. Februar zu dem ein­stimmigen Beschluß, durch den Präsidenten folgende Antwort erteilen zu lassen: Über die Judizialakten könne die Kommission nicht verfügen, weil Ansprüche und Rechte von Parteien damit verbunden seien. Dasselbe gelte für die Lehensakten, die fallweise an die nachfolgenden Souveräne aus­gefolgt werden müßten, auch über die Gratialia könne aus denselben Gründen keine Disposition getroffen werden. Ob sich darüber hinaus noch indifferente Stücke finden ließen, werde erst ein abzuwartender Bericht des Registraturdirektors Wolf ergeben. Wolf legte tatsächlich am 1. April einen ersten Bericht vor. Die Durch­sicht der Akten, was er später eine sterile und langweilige Arbeit nannte, habe tatsächlich ergeben, daß ein Teil dieser alten Papiere für die Hof­bibliothek in Frage kommen könne. Der Referent Ockel schloß sich dieser Auffassung an, ja er hielt es bei der angeführten Beschaffenheit für überflüssig, darüber ein Verzeichnis anlegen zu lassen, handle es sich doch bloß um Neujahrs wünsche, Kondolenzschreiben, Empfehlungen für Kano- nikate sl). Dabei bezog er auch ein Ansuchen des griechischen Erzbischofs Teoffano Maurokordatos ein, in dem jener seine Dienste für eine Mission nach Moskau anbot* 32). Als erste Sendung ging am 12. April 1829 ein Konvolut mit 197 Nummern an Dietrichstein ab, dem später noch ein umfangreicher Nachtrag folgte. Der Graf dankte mit Schreiben vom 16. Mai 1830, in dem er hervorhob, daß sich eine fast ununterbrochene Rei­he der Autographen der Kurfürsten und der geistlichen Fürsten habe her­steilen lassen. Hatte Dietrichstein in diesem Falle trotz anfänglicher Schwierigkeiten sein Ziel binnen Jahresfrist erreichen können, so zogen sich seine Unter­handlungen mit der Hofkammer beträchtlich, länger hin33). Seiner Tak­tik folgend, war er am 4. Jänner an den zweiten Präsidenten dieser Behörde, den Grafen Ludwig Taaffe, mit einem Schreiben herangetreten, dessen Wortlaut sich wenig von jenen unterschied, die wir bereits kennen­gelernt haben 34). Auch erging bereits am 18. Jänner der Auftrag an den Direktor des Hofkammerarchivs von Mühlfeld zur Berichterstattung, frei­st) HHStA Reichshofrätliche Hofkommission 1. 32) Undatiert, in italienischer Sprache: NB Autographensammlung 38/44. 33) Die Akten darüber erliegen im Finanz- u. Hofkammerarchiv (FHKA) Hofkammer Präsidiale Nr. 4578-FS. IV/1829 und Nr. 431-SP/1829; Archivver­handlungen 739/1829. ss) Druck: Grillparzers Werke, hg. v. Anton Sauer III/6 (Wien 1915) 375.

Next

/
Oldalképek
Tartalom