Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
GOLDINGER, Walter: Der archivalische Grundstock der Autographensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
76 Walter Goldinger nen, Aloys Fuchs, der in seiner Beamtenlaufbahn über eine subalterne Stellung beim Hofkriegsrat nicht hinausgekommen ist, weit übertroffen wurde. Dietrichstein konnte jedenfalls mit der von ihm bei den Militärbehörden eingeleiteten Aktion, die 1835 einen gewissen Abschluß erreichte, wohl zufrieden sein 19). Am selben Tag, wie den Militärbehörden, hat Dietrichstein seine Wünsche auch dem obersten Chef der Zivilverwaltung, dem Grafen Saurau, unterbreitet, mit dem ihn ja schon von früher her gemeinsame Bestrebungen verbanden. Schon am 22. März konnte Dietrichstein für 53 Autographen danken — sie umfassen den Zeitraum von 1506—1802 —•, die auf Veranlassung des Obersten Kanzlers aus dem Archiv der Vereinigten Hofkanzlei an die Hofbibliothek abgegeben wurden. Die Vorbereitung für die Auslieferungen aus dem Hof- und Staatsarchiv waren zu diesem Zeitpunkt noch im Gange, der erste greifbare Erfolg hatte sich durch Saurau eingestellt. Mit Recht konnte daher Dietrichstein an ihn schreiben: „Ich verdanke Euer Exzellenz wirklich den ersten wichtigen Beitrag zu einer Sammlung, die ich mit Liebe und Eifer begann und fortsetze, und als ein nicht unverdienstliches Unternehmen zur Bereicherung des mir anvertrauten kaiserlichen Instituts betrachte“ 20). Wichtiger noch als die 53 Autographen aus der Hofkanzlei, unter denen sich immerhin auch eines mit der Unterschrift des Ignatius von Loyola befand21), dürften aber Dietrichstein in der Folge jene Stücke erschienen sein, die bald darauf gleichfalls durch Sauraus Vermittlung hereinkamen. Als Chef der Zivilverwaltung verfügte dieser über das Brachium, um auch die Provinzen der weiten Monarchie in den Dienst der Bestrebungen Dietrichsteins zu stellen. Der Weg führte über Erlässe an die einzelnen Gubernien, die wiederum einen Druck auf die Städte und Märkte, gelegentlich auch auf Private, ausüben konnten. Auch die Archive kirchlicher Korporationen waren eingeschlossen. In diesem Sinn hatte Saurau bereits am 12. Jänner 1829 allgemeine Weisungen an die Landesstellen ergehen lassen. Wie diese in Tirol durchgeführt wurden, hat vor mehr als sechs Jahrzehnten Michael Mayr in einem verdienstvollen Aufsatz, dem er den Untertitel Ein Beitrag zur österreichischen Archivgeschichte gab, gezeigt22). Im Endergebnis kamen Autographen angefangen von Kaiser Maximilian I. bis zu Andreas Hofer und Angelika Kauffmann nach Wien. Aus dem Besitz eines privaten Sammlers, des Bürgermeisters von Trient Benedikt Giovanelli, stammte eine Instruktion Maximilians I. an den Bi19) KA Hofkriegsrat Präsidium 1783/1835. 20) Allgemeines Verwaltungsarchiv (AVA) Hofkanzlei Präsidium 372/1829. 21) NB Autographensammlung 33/105. 22) Michael Mayr Zur Anlage einer Autographensammlung für die Wiener Hofbibliothek 1829—1833. Beiträge zur neueren Geschichte Österreichs (Wien 1906) 116—130.