Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

GOLDINGER, Walter: Der archivalische Grundstock der Autographensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der archivalische Grundstock der Autographensammlung 73 Manuskript des Textes von Haschka behielt Saurau jedoch zurück. Diet­richstein bedankte sich überschwänglich. Ein Jahrzehnt später führten ähnliche Bestrebungen beide Männer wiederum zu einem gemeinsamen Unternehmen ähnlicher Art zusammen. Saurau stand jetzt als Oberster Kanzler an der Spitze der Vereinigten Hofkanzlei, Dietrichstein war Präfekt der Hofbibliothek geworden. Ende 1828 nahmen seine Pläne, daselbst eine Sammlung von Autographen auf­zubauen, greifbare Gestalt an. In erster Linie richtete er dabei sein Augen­merk auf das Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Dieses unterstand aber nicht der inneren Verwaltung, für die Saurau zuständig war, sondern der Staatskanzlei. Darum wandte sich Dietrichstein am 2. Dezember 1828 un­mittelbar mit einem Brief an den Fürsten Metternich6). Es hat den An­schein, daß die Angelegenheit von den beiden Aristokraten schon vorher besprochen war und nur der Anstoß zu den Amtshandlungen, die nun ein­setzten, gegeben werden sollte. Jedenfalls reagierte der Fürst sehr rasch, bereits am 8. Dezember erging die Weisung an die Direktion des Staats­archivs, einen gutachtlichen Bericht zu erstatten und Anträge über die zur Abgabe geeigneten Stücke vorzulegen. Dieses Schreiben an Metternich ist hier genauer ins Auge zu fassen, weil sich die Texte der an andere Stellen gerichteten Ersuchen, darunter auch an Saurau, sinngemäß damit decken, wenn sie auch durchaus nicht gleichlautend sind. Dietrichstein spricht also von den Seltenheiten, zu denen auch die Autographen gezählt werden müßten, die alle großen Bibliotheken des Auslandes besitzen, während solche in der Hofbibliothek fehlten. Dietrichstein unterläßt es auch nicht, darauf hinzuweisen, daß sich allmählich auch schon Private für das Sammeln von Autographen zu interessieren beginnen. In der Tat begann schon bald darauf der Wiener Antiquar Franz Gräffer das Sammeln von Autographen zu kommerziali­sieren 7). Entsprach der Erfolg auch nicht seinen Erwartungen, so ist er doch der erste gewesen, der im Jahre 1838 eine Versteigerung von Autographen, überhaupt die erste im deutschen Sprachgebiet, in Wien durchgeführt hat8 *). Das Motiv des Glanzes und des Ruhmes der Hofbibliothek tritt in den anderen Schreiben vielleicht noch deutlicher zutage. Metternich war, wie gesagt, über die wesentlichen Gesichtspunkte anscheinend bereits unter­richtet. Dietrichstein beschränkt sich daher darauf zu unterstreichen, daß 6) Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien (HHStA) Staatskanzlei Noten von und an Hofämter 2 n. 10 (Hofbibliothek). 7) Franz Gräffer Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke, hg. v. A. Schlossar (Wien 1918) 1, LXV f; 2, 42 ff, 314 f. 8) Günther Mecklenburg Vom Autographensammeln. Versuch einer Darstellung seines Wesens und seiner Geschichte im deutschen Sprachgebiet (Marburg 1963) 49 ff, 57.

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