Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
WAGNER, Walter: Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien
42 Walter Wagner ist ein Brief Weinkopfs an den Präses Baron Doblhoff vom 20. August 1801 20): Bei der Übergabe der Akten habe er dem Kurator erklärt, bisher hätte er, gestützt auf sein „getreues“ Gedächtnis und die Kenntnis der Geschäfte, kein Repertorium benötigt. Jedes Stück sei ohnehin mit einem kurzen Auszug bezeichnet und daher leicht auffindbar. Überdies biete die Ausarbeitung eines Repertoriums dem Übernehmer der Registratur die Gelegenheit, sich mit allen Vorgängen bei der Akademie gründlich bekannt zu machen. Hätte er früher von der Übergabe erfahren, dann würde er ein vollständiges Findregister ausgearbeitet haben. „Zur Erholung gewissermaßen und für den Fall meines schwächlichen Alters, hab ich inzwischen doch manchmal einige Faszikel aufsatzweise zu diesem Endzwecke bearbeitet, und zwar bis auf das Jahr 1773“. Wenn man ihm von Zeit zu Zeit ein oder zwei Faszikel schicke, werde er möglichst rasch „mit einem vollendeten Aufschlagbuche“ seine „unaufhörliche Dienstbeflissenheit“ bezeugen. Die eigentliche Übergabe des Archivs ging äußerst formlos vor sich. Fuessli berichtete darüber am 5. November 1801 21), Anfang August seien in seiner Abwesenheit und ohne sein Vorwissen die Akten des akademischen Archivars in das Lesezimmer der Bibliothek gelegt worden. Da weder ein Elench noch ein Übergabsverzeichnis dabei gewesen sei, habe er sie einfach eingeschlossen. Erst acht Tage später habe er vom Kurator das summarische Verzeichnis Weinkopfs erhalten, aber noch nicht mit den Faszikeln verglichen, weshalb er über die Vollständigkeit keine Auskunft geben könne. Immerhin zeigen sich zu dieser Zeit bereits Ansätze zu einer Scheidung zwischen den Registraturen der Akademie und des Kurators: Cobenzl übersandte dem Präses vor seiner Abreise im August 1801 einige Akten für die Zeit seiner Abwesenheit mit dem ausdrücklichen Bemerken, sie gehörten in die Registratur des Kurators und dienten bloß der Information des Präses 22). 1803 begann Fuessli endlich die Anlage eines Findbuches, das zwar noch erhalten ist, sich jedoch auf die damalige Faszikulierung und auf eine nicht mehr erkennbare Numerierung bezieht und daher heute unbrauchbar ist23). Es umfaßt den Zeitraum von 1768 an und wurde von dem 1806 ernannten Nachfolger Fuesslis, Josef Ellmaurer, bis 1809 fortgesetzt. Die Vereinigung der Stelle des Archivars mit derjenigen des Kustos der Bibliothek blieb weiterhin aufrecht, ja als Ellmaurer im Jahre 1811 anstelle des zum Präses ernannten Sonnenfels zum Sekretär gewählt wurde, beschloß man, die beiden Stellen mit derjenigen des Sekretärs zu verschmelzen, zumal der für den Archivar vorgesehene Gehalt von 20) Ebenda fol. 397. 21) Ratsprotokolle 1801 fol. 68 f. 22) Akten 1801 fol. 360. 23) Findbehelf 1.