Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
WOHLGEMUTH, Edith: Aus Briefen Carl Baron Torresanis
Aus Briefen Carl Baron Torresanis Von Edith Wohlgemuth (Wien) „Österreich hat in ihm einen seiner treuesten Söhne verloren, die Armee einen tapferen Offizier, die deutsche Literatur einen glänzenden Erzähler, und alle, die ihm näher standen, einen liebenswürdigen Menschen und treuen Freund“ ‘). Mit diesen, in ihrer Art nicht einmal sehr originellen Worten gedenkt der unter anderem durch seine Franz Ferdinand-Biographie bekannte Publizist Theodor von Sosnosky1 2) zum ersten Jahrestag von dessen Hinscheiden eines der hervorragendsten und gleich ihr beinahe zum Mythos gewordenen Schriftstellers der k. u. k. Armee, Carl Baron Torresanis. Hinter diesen Worten aber steht die herzliche Zugetanheit eines Mannes zum verlorenen Freund, den er, zum damaligen Zeitpunkt freilich noch ohne große Nötigung, vor dem Vergessenwerden in der Öffentlichkeit bewahren wollte. Damals und noch Jahre danach zählten die Werke Torresanis zur beliebtesten Lektüre allerdings vorwiegend eines bestimmten Standes, der sich durch sie aufs charmanteste bestätigt und naturgetreu verewigt fühlte, des Soldaten- und Offiziersstandes. Erst heute, über ein halbes Jahrhundert nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und ihrer in ihrer Eigenart und Funktion unvergleichlichen Armee, greift wohl selten mehr eine Hand nach einem dieser ebenso lange nicht mehr neu aufgelegten Bücher. Wenn dann nicht der Zufall Beweggrund ist, entstammen Lust und Interesse daran mit Sicherheit dem durch Wandlungen und Verwandlungen nachwirkend Unverlierbaren einer im bewußten Vergangenheitserlebnis wachen Treue gegenüber Grundlagen und Herkunft. Der Lohn bedeutet bezauberndes Entrücktwerden in die sprühende, blutvoll durchpulste Lebendigkeit einer Welt, deren Wesen, deren Lachen und Weinen, deren Schmerzen und Freuden bei aller Andersartigkeit, ja Überholtheit von Zeitumständen und geistigem Gefüge durch mannigfache Bezüge immer noch verwandt und vertraut, zu faszinieren vermag. Es ist nicht Sinn und Zweck dieser Zeilen, sich kritisch mit dem literarischen Werk eines Schriftstellers auseinanderzusetzen, der, einer Zeit 1) Theodor v. Sosnosky Erinnerungen an Torresani in Neues Wiener Tagblatt 1908 April 14. 2) Vgl. Anhang II. Mitteilungen, Band 25 30