Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

452 Adam Wandruszka 15. September 1832 „mit einem abzugsfreien Gehalt von achthundert Gulden und dem gewöhnlichen Reise- und Equippierungspauschale“ (300 Gulden) mit der Aussicht auf „Vorrückung in den systemisierten Gehalt von jährlich 1000 Gulden“ als „Dollmetschergehilfe bei der Inter­nuntiatur in Constantinopel“ angestellt. 1834 konnte er dann am Bosporus seinen Studienfreund Hammer als Kollegen begrüßen, der in seinen Erinnerungen neiderfüllt vermerkte, in dem so besonders heißen Sommer dieses Jahres hätten die Dolmetscher Adelburg und Raab sowie sein Kollege Steindl sich wenigstens am Abend vor jedem Sonn- und Feiertag zu ihren Familien nach Bujukdere begeben, mit ihnen die Ruhetage zu­bringen und dann etwas erfrischt in die Stadt zurückkehren können 10 * 12). Steindl war noch immer Internuntiatur-Dolmetsch-Adjunkt, als die orientalische Krise von 1839/41, der Konflikt zwischen Mehmed Ali von Ägypten und dem Sultan, der die Großmächte zum Eingreifen veranlaßte, ihm Gelegenheit gab, sich auszuzeichnen. Nachdem er zunächst im Auf­trag des Internuntius Baron Bartholomäus Stürmer den türkischen Kommissär Rifaat Bey nach Alexandria begleitet und sich dabei überaus geschickt verhalten hatte, erhielt er die schwierige und delikate Aufgabe, die Bewohner des Libanon, vorwiegend Maroniten, zur Schwenkung von der ägyptischen auf die türkische und damit von der französischen auf die österreichische Seite zu bewegen. Steindl, dem hier gewiß die Tat­sache zugute kam, daß seine Mutter eine Maronitin war, hat diese Auf­gabe, bei der auch die Verteilung der von den österreichischen Katholiken für die bedrängten Glaubensgenossen im Libanon gesammelten Gelder eine wichtige Rolle spielte, mit vollem Erfolg durchgeführt n). In seinem Vortrag, in dem er die Beförderung Steindls zum dritten Internuntiaturs- Dolmetsch beantragte, betonte Metternich, daß die Aufgabe, den bisher unter französischem Schutz stehenden Patriarchen der Maroniten und dessen zahlreiche Gemeinde für die Sache des rechtmäßigen Herrschers zu gewinnen, „sollte sie gelingen, mit der größten Umsicht behandelt werden mußte. In Folge der von mir erhaltenen Weisung beauftragte der k. k. Internuntius damit den Dolmetschgehilfen Anton Steindl von Plessenet, welcher schon früher mit einer Sendung nach Egypten beauftragt worden war, deren er sich zur völli­gen Zufriedenheit des Freiherrn von Stürmer entledigte. Auf welch ausge­zeichnete Weise derselbe sich dieser schwierigen Sendung entledigte, ist Eurer Majestät aus den neuesten Berichten des Freiherrn von Stürmer bekannt. Der Patriarch hat nicht nur auf den französischen Schutz verzichtet, sondern sich ganz dem österreichischen Hofe in die Arme geworfen, um durch dessen Ver­mittlung von der ottomanischen Pforte die Erfüllung einiger lang genährter Wünsche zu Gunsten seiner Glaubensbrüder zu erlangen“ 10) Hammer Erinnerungen. u) Sauer Österreich und die Levante 473. 12) Vortrag Metternichs von 1840 November 7: PSt. Über die Besorg­nisse auf französischer Seite wegen der starken und erfolgreichen österreichi­schen Aktivität bei den Maroniten im Libanon vgl. jetzt Dominique C h e v a 1-

Next

/
Oldalképek
Tartalom