Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

450 Adam Wandruszka geschrieben hatte, „daß nemblich die Aas- (sic) Jägereyen bishero schier in dem ganzen Land bey allen Herrschaften und Güettern ganz unge- scheucht eingeschlichen seyn, und daß derley Khönigliche Patenta nur schier für Schärdecken gehalten und gahr von wenigen obrigkheiten ge- zimmender weis in consideration gezogen worden seyn“ 2). Er scheint dann in der Folge dieser Auseinandersetzungen die Herrschaft Litzlberg bald wieder verkauft zu haben und mit seiner Familie nach Böhmen gezogen zu sein. Jedenfalls wurde sein Nachkomme Franz Anton Steindl von Ples- senet, der sich 1750 vergeblich um die Wiederzuerkennung der erblichen oberösterreichischen Landstandschaft bemühte, am 6. Oktober 1706 in Prag als Sohn des Carl Constantin Steindl von Plessenet und der Maria Salomona Milhartin von Milhartitz geboren. Er studierte an der Wiener Universität, wurde am 18. Mai 1724 an der Artistenfakultät zum mag. art. promoviert, legte am 8. und 10. Oktober 1732 die beiden medizini­schen Rigorosen jeweils mit „absolutem“ Erfolg ab und wurde am 18. Oktober zum Dr. med. promoviert. 1738/39 war er Prokurator der ungarischen akademischen Nation, von 1748—1761 Notar der medizini­schen Fakultät, 1761/62 und 1762/63 Dekan der Fakultät. Er war mit der am 1. September 1716 in Pottendorf geborenen Maria Katharina Pach- nerin von Eggendorff verheiratet und starb in Wien am 19. Dezember 1785 3). Nach einer Familientradition soll er einige Zeit Arzt an der Inter­nuntiatur in Konstantinopel gewesen sein und damit die Verbindung seiner Familie zum Orient begründet haben. Jedenfalls gehörte dann einer seiner Söhne, der am 12. Dezember 1760 in Wien geborene Ignaz Johann Franz, einem der ersten Jahrgänge der Orientalischen Akademie an und wurde Dragoman und Postamtsdirektor an der Internuntiatur. Er heiratete eine Maronitin (katholische Syrerin) aus Aleppo, Sophia Aide, eine auffallend schöne Frau, die ihm fünf Kinder, zwei Söhne und drei Töchter, gebar. Der jüngere Sohn, der 1820 geborene Rudolf, trat 1848 in türkische Dienste, wurde Botschaftssekretär und Generalkonsul in Wien, 1872 wieder österreichischer Staatsbürger und starb am 23. März 18984 *). Von den drei Töchtern des Ignaz und der Sophia Steindl 2) „An Herrn Steindl, Khönigl. Forstmeister zu Enns und Steyr, Linz den 13. Januarii 1658“; beglaubigte Abschrift aus dem Landschafts-Registraturs- und Archivamt Linz vom 19. Jänner 1854 in meinem Besitz. 3) Freundliche Auskunft von Herrn Univ.-Dozent Dr. Franz Gail, Universi­tätsarchivar der Universität Wien, vom 16. Oktober 1969. Die Universitätsbiblio­thek Wien besitzt folgende Werke von Franz Anton Steindl von Plesseneth: Disputatio de cacochymia (Viennae 1727), Disputatio de morborum causis (Vien­nae 1728), Vinum Austriacum (Viennae 1732). 4) Er hinter ließ eine Tochter, Anna Steindl von Plessenet, welche im Jahre 1899 in Wien XVIII., Weinhauserstr. 20 wohnhaft war, und eine Tochter, die mit M. Dr. Kalinczuk in Marienbad verehelicht war: PSt.

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