Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert
246 Sigismund Paul Pach gen Umständen des Jahres 1542, den damaligen Kriegsverhältnissen, der „Krisensituation“7) andererseits zuzuschreiben, oder lassen sich hinter den „short term fluctuations“ auch die Spuren von langfristigeren Veränderungen austasten: Merkmale von Veränderungen, die in der Struktur der westlichen Tucheinfuhr Ungarns zwischen Mitte des 15. und Mitte des 16. Jahrhunderts eingetreten waren? * Das Dreißigstbuch von Preßburg 1457—58 spiegelt jenen Zustand wider, in dem der wichtigste Landweg des europäischen Tuchhandels vom Westen nach Osten — von den Niederlanden ausgehend über Aachen, Köln, Frankfurt am Main und Nürnberg 8), und eine wichtige Abzweigung davon: die von Regensburg über Österreich nach Preßburg führende Donaulinie — die Hauptstraße von Ungarns westlicher Tucheinfuhr war 9). Dieser Lage entsprach auch die Zusammensetzung des Preßburger Tuchimports: von 15 139 Stück waren 9236 Stück, das heißt 61,4 Prozent, westeuropäischen, bzw. west-mitteleuropäischen (englischen, flandrischen, niederrheinischen, oberdeutschen, sowie italienischen) Ursprungs. Innerhalb dessen erreichten die niederrheinischen Produkte einen hervorragenden Anteil: Allein aus dem Aachener und Kölner Raum wurden 5858 Stück eingeführt, fast aufs Haar so viel wie aus den ost-mitteleuropäischen (böhmisch-mährischen und schlesischen) Sorten insgesamt (5843 Stück)10). Auf dem Donauweg aber, welcher aus den oberdeutschen Städten über Wien und Preßburg nach Ungarn führte, ging der Verkehr bereits Ende der 1450-er Jahre sturzartig zurück und blieb wegen der österreichischen Parteikämpfe und Geldentwertung, später auch infolge der Fehden zwischen Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias, fast bis zum Jahrhundertende sehr beschränkt. Die Einnahmen des Preßburger Dreißigstamtes, die sich 1456—57 noch auf 8399 fl. und 1457—58 auf 7) Erste Tagung des Seminars für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Philipps-Universität (Marburg an der Lahn 1967) Diskussionsprotokoll 23—26. 8) Vgl. Frantisek Graus Die Handelsbeziehungen Böhmens zu Deutschland und Österreich im 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Historica 2 (Praha 1960) 85, 97. 9) Ferenc Kováts A magyar arany világtörténeti jelentősége és kereskedelmi összeköttetéseink a nyugattal a középkorban [Die weltgeschichtliche Bedeutung des ungarischen Goldes und die Handelsbeziehungen Ungarns zum Westen im Mittelalter] in Történeti Szemle 11 (Budapest 1922) 136—137; Ambrus Pleidell A nyugatra irányuló magyar külkereskedelem a középkorban [Der ungarische Außenhandel nach dem Westen im Mittelalter] (Budapest 1925) 76. 10) Kováts Nyugatmagyarország 106—111.