Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

HOLLAENDER, Albert E. J.: Offiziere und Prälaten. Zur Fuldaer Bischofskonferenz, August 1945

196 Albert E. J. Hollaender des deutschen Episkopats, die sich nach Jahren höhnischer und zugleich diabolisch verfeinerter Verfolgung und Bedrohung zum ersten Mal in freier Zusammenkunft und ungehindertem Gedankenaustausch versam­melt sahen, als ,Retter aus der Not1 — oder aber als Deus ex machina erschienen sein. Kein Historiker wird dies jemals mit Bestimmtheit ent­scheiden können. Aber er hat, seiner katholischen Gesinnung getreu, mit feinem Takt, mit Verständnis, Erfahrung und Wissen sich bemüht, auszu­gleichen, zu beraten, zu helfen. Nur an einer einzigen Stelle seines Rapports, im vorletzten Absatz, in dem er der deutschen Hierarchie das „prestige of unbroken resistance to the Nazis“ zubilligte, hat er seinem katholischen Enthusiasmus vielleicht etwas zu freien Lauf gelassen. Aber dies kann nicht als Beweis einer vorsätzlichen Schönfärberei interpretiert werden. Trotz der verhältnismäßig reichen und vielschichtigen Informa­tion, die ihm in London zur Verfügung stand und die er verarbeitete, hatte er möglicherweise aus der Ferne die Wirkung des Patriotismus unterschätzt, der so viele, wenn auch nicht alle der deutschen katholischen Oberhirten bei aller spirituellen Opposition zum Nationalsozialismus die Waffen des Dritten Reiches bedingungslos segnen ließ. Aber er hat sich um die schwierige Mission, so lohnend und interessant sie ihm erschienen sein mag, nicht beworben, er ist dazu kommandiert worden. Und daher mag jeder Vorwurf, er habe vor den infulierten Häuptern einer noch vor wenigen Monaten sehr feindlichen Macht ,kapituliert1, als abwegig zurück­gewiesen werden. Er, der sich, wie er selbst einmal sagt, bewußt war, daß er die „uniform of another sovereign“ trug, hat die Bischöfe begrüßt, an­gehört und befragt und über sie mit jener Objektivität berichtet, die überstaatlich, humanistisch — und sohin ökumenisch — denkenden Men­schen eigen ist. Und er hat nicht einfach kritiklos und unverantwort­lich, nur seiner katholischen Überzeugung folgend, den Degen vor ihnen gesenkt. Man mag die vorliegende Publikation, die kaum mehr sein will als ein tastendes und zagendes Exercitium in zeitgeschichtlicher Quelleninterpre­tation und als solches zweifellos Fehler in sich trägt, vielleicht als ver­früht1 beurteilen und finden, daß sie mehr Fragen stellt, als sie beantwor­ten kann. Und dies umso mehr, als ihre Basis ein isoliertes Dokument ist, das nur in seinem archivalischen Zusammenhang voll verständlich wer­den kann. Aber der Name eines loyalen und zweifelsohne sehr fähigen britischen Offiziers soll nicht unverzeichnet bleiben in den Annalen einer hochgesinnten Nation, die nicht zuletzt in zwei opfer- und siegreichen Weltkriegen für Recht und Gesittung, für Toleranz, Freiheit und Men­schenwürde gekämpft und geblutet hat32). Das Wort hat Colonel Russell Luke Sedgwick. 32) Für manche wertvolle Hinweise schuldet der Verfasser den folgenden Herren ergebenen Dank: Professor Asa Briggs, M. A., B. Sc., Vice-Chancellor

Next

/
Oldalképek
Tartalom