Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

HOLLAENDER, Albert E. J.: Offiziere und Prälaten. Zur Fuldaer Bischofskonferenz, August 1945

192 Albert E. J. Hollaender Warfare Executive (P.W.E.), a secret organization responsible for psycho­logical warfare and propaganda of every kind“21). Die PW.E. war jedoch, wie heute bekannt, als eine zunächst sowohl dem Minister für Propaganda (Ministry of Information) als auch dem Minister für wirt­schaftliche Kriegsführung (Ministry of Economic Warfare), alsbald aber auch dem Foreign Office verantwortliche Dienststelle verwaltungsmäßig nicht vor September 1941 endgültig, d. h. für die Dauer des Kriegs, konstituiert22). Zu den Aufgaben dieser streng geheimen Organisation, deren Akten erst 1972 pari passu der historischen Forschung freigegeben werden, gehörte die propagandistische, an die Feindmächte, namentlich Deutschland, gerichtete Auswertung interzipierten und abgehörten Ma­terials, darunter auch solchen konfessioneller, rassenpolitischer und sozial- eugenetischer Natur. Es scheint, daß Sedgwick primär für die Bearbei­tung und Sendung religionspolitischer, zu gleichen Teilen an die deutsche Wehrmacht wie an die deutsche Zivilbevölkerung gerichteter Aufklä­rungsprogramme durch die B. B. C. verwendet wurde und nicht selten das Medium des Mikrophons persönlich benutzte. Er erzählt uns, daß die Ansprachen und Predigten Bischof Galens dem britischen Propaganda­apparat „most powerful material“, d. h. überaus wertvolle Munition, ge­liefert hätten; ein wenig später folgten ihnen Predigten, Hirtenbriefe und andere Enuntiationen seitens Kardinal Faulhabers, Erzbischofs von Mün­chen, Bischof Bornewassers von Trier, und Bischof (nachmals Kardinal) Grafen Preysing von Berlin, die mit Klarheit — mitunter Schärfe — spirituelle Opposition zum Naziregime bekundeten23). Sedgwick scheint überzeugt davon, daß die britische Propaganda die Wahrheit zur Basis hatte, gleichzeitig aber steht er dieser Form der Kriegsführung insofern skeptisch gegenüber, als er in Frage stellt, ob sie von „christlichen Idealen“ inspiriert gewesen und nicht dazu angetan war, die britische Propaganda­21) S e d g w i c k 11. 22) Asa Briggs The War of Words: The History of Broadcasting in the United Kingdom 3 (London 1970) 339 und 343. Sie wurde im Februar 1942 einer umfassenden Reorganisation unterzogen: ebenda 345. Die frühe und wohl zu­meist entscheidende Ingerenz des Foreign Office auf Aktionsradius und uk- samkeit dieses Dezernats scheint hinlänglich erwiesen durch die noch 1941 erfolg­te Ernennung des namhaften Diplomaten und bekannten Schriftstellers Robert Hamilton Bruce Lockhart, später Sir Bruce Lockhart, K. C. M. G. (1887-—1970), eines Veteranen des britischen Geheimdienstes, zum Under-Secretary, Foreign Office, and Director General of P. W. E. Als solcher verblieb er im Amt bis zur Einstellung der Feindseligkeiten. Lesenswert die Darstellung seiner Erlebnisse und Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg Comes the Reckoning (London 1947), die aber Sedgwick nicht erwähnt. Ausführlicher Nachruf in The T.mes 1970, Februar 28. Zur Geschichte und Organisation der P.W.E. vgl. neuerdings: The Second World War. A Guide to Documents in the Public Record Office (Public Record Office Handbooks 15, London 1972) 112—115. 23) S e d g w i c k 12. Über ,Religious Broadcasting“ im Zweiten Weltkrieg vgl. Briggs War of Words 418 ff, 621 und 633 f.

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