Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle
168 Erich Zöllner wußtsein, die Zugehörigkeit zur Adelswelt prägte, das wird in den Alben mitunter recht deutlich sichtbar70). Auf eine in kurzen Formulierungen zusammenfassende Würdigung des österreichischen Stammbuches der früheren Neuzeit als Geschichtsquelle wollen wir verzichten; die einzelnen Vertreter dieser Gattung unterscheiden sich voneinander ja oft recht beträchtlich. Dem eigenartigen Reiz, den so viele der Alben auch heute noch auf den Betrachter ausüben, kann man sich nicht leicht verschließen; bei gründlicherer Bekanntschaft noch weniger als bei flüchtiger. Man versteht dann auch das lebhafte und so wohlwollende Interesse, das von Melanchthon bis Goethe nicht wenige hervorragende Geister dem Stammbuch widmeten 71). Der Historiker mag immer wieder daran scheitern, das zu erfassen, was einst für den Stammbuchinhaber und seine Freunde unsichtbar zwischen den Zeilen stand und für sie wohl den Hauptwert des Albums ausmachte: Stimmungsgehalt und Nachleben längst verflossener Stunden; er muß dennoch versuchen, auch diesem Gehalt des „Liber Amicorum“ gerecht zu werden. 70) In diesem Sinne kann man etwa das Stammbuch von Otto Heinrich von Herberstein den Alben zweier anderer Angehöriger seines Hauses, Günther und Georg Andreas von Herberstein, gegenüberstellen. Vgl. Zöllner Herberstein 360 f, bzw. Austriaca 348 ff. 71) Vgl. die Hinweise bei Keil Deutsche Stammbücher 9f (Melanchthon), 3, 7 (Hauff), 8 f, 236, 328 (Goethe). Man beachte auch die Worte des gelehrten österreichischen Exulanten Martin Zeiller, ebenda 8, 12.