Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters 155 benützt und bisweilen auch wiederholt aufgelegt17 *). Eines dieser Werke erschien auch in Wien. Es handelt sich um das Stamm- und Gesellen­büchlein von David de Necker (1579) 1S). Ein Werk dieser Art war auch das mit Holzschnitten von Jost Ammann ausgestattete Buch Insignia Sacrae Caesareae Maiestatis, Principum electorum ..das ebenfalls 1579 in Frankfurt am Main erschien und etwa von dem Wiener Hofbibliothekar Hugo Blotius für sein Stammbuch benutzt wurde 19). Im 17. Jahrhundert bevorzugte man zumeist wieder das einfache Werk ohne Druckunter­lagen. Wenden wir uns nun dem Inhalt der Alben zu. Das Titelblatt ist in den Stammbüchern der hier gewürdigten Epoche meist sorgfältig ausge­führt; es enthält oft die Angabe des Besitzers, in Einzelfällen auch einen Hinweis, von wem er das Album bekam. Auf den nächsten Blättern kann ein Widmungsgedicht oder eine Vorrede über den Zweck des Albums folgen. Auf dem Einband, einem Titelblatt oder den folgenden Seiten wird nicht selten das Wappen des Eigentümers angebracht. So prangt das Wappen des Bürgermeisters Johann von Thaw auf dem kostbaren Einband 20), während Franz Christoph von Teuffenbach auf Maßweg für das Titelblatt das Teuffenbach’sche Wappen und 16 im Kreis angeordnete Wappen verschwägerter Familien wählte 21). Mit einer genealogisch aus­wertbaren Wappenkombination der Vorfahren, der Darstellung einer Jagdszene und dem Wappen des Albenbesitzers wird das Stammbuch des Salzburgers Hans Wilhelm Deifel zu Pichl eingeleitet22 23). Gereimte Vor­reden, die die Wünsche und Hoffnungen interpretieren, die der Alben­besitzer mit seinem Büchlein verbindet, finden wir etwa zu Beginn der Alben der niederösterreichischen Aristokratin Maria Elisabeth Baronin Hager von Allentsteig 2S) und des weitgereisten Grazer Buchbindergesel­len Christoph Felber in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges 24). 17) R o s e n h e im Album amicorum 254 ff führt insgesamt 14 Druckwerke an, die ausdrücklich als Stammbuchunterlagen gedacht waren. is) Ain Newes unnd künstlich schönes Stam oder Gesellen Büchlein ... Gedruckt zu Wienn in Österreich durch David de Necker, Formschneider anno 1579. i») ÖNB CVP 9645. Die Bestimmung des Werkes für Stammbuchzwecke geht aus dem vollen Titel hervor, in dem es u. a. heißt: „.. .his adiecta sunt totidem vacuae (uti appellant) scuta, ut alii quoque, quibus hoc institutum placebit, suae etiam gentis imagines penicillo adiicere possint.“ Über das Werk und seine deutschen Ausgaben Rosenheim Album Amicorum 255 f. 20) Egerton-Ms. 1194. Vgl. Rosenheim Album Amicorum 273; Zöll­ner Austriaca 347 f;Nickson Early Autograph Albums 19. 21) Egerton-Ms. 1229. Vgl. Zöllner Austriaca 352 f. 22) CVP 9697. 23) CVP Ser. nov. 2609 fol. 3. 2i) Landesbibliothek Weimar Hs. 34. Vgl. das Zitat bei Alfred Fiedler Vom Stammbuch zum Poesiealbum. Eine volkskundliche Studie (Kleine Beiträge zur Volkskunst!orschung 7, Weimar 1960) 21.

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