Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
MOHR, Walter: Die Rolle Bayerns in der Komposition der Annales regni Francorum
Die Rolle Bayerns in der Komposition der Annales regni Francorum 129 eine ebensolche Bindung einer Gruppe von bayrischen Großen unterstrichen 12). In der Folge schweigen die Annalen wieder über Bayern bis zum Jahre 763, als Tassilo auf einem Feldzug nach Aquitanien das fränkische Heer verließ und den Bruch mit dem König vollzog 13), wobei nichts über seine Absichten gesagt wird. Auf der anderen Seite wird zwar vermeldet, Pippin habe diese Angelegenheit einer Reichsversammlung in Worms vorgelegt, doch geschah gegen Tassilo weiter nichts. Über die restliche bayrische Entwicklung zu Lebzeiten Pippins ist in den Reichsannalen wiederum nichts zu finden, obwohl sie sehr bemerkenswert ist. Tassilo bat nämlich anfangs den Papst um eine Vermittlung, doch schaltete sich jetzt der Langobardenkönig Desiderius ein. Er verhinderte die Durchreise einer päpstlichen Gesandtschaft ins Frankenreich 14 *) und machte dem Bayernherzog günstige Angebote, die in dessen Heirat mit der Königstochter Liutberga gipfelten. Für die folgenden Jahre erfahren wir aus den Reichsannalen nur ganz nebenbei von der Reise der Königin-Mutter Bertrada über Bayern nach Italien1R), obwohl sich in Wirklichkeit hier eine wichtige Entscheidung vollzog. Die Uneinigkeit der Söhne Pippins drohte für das Frankenreich gefährliche Auswirkungen herbeizuführen, was ihre Mutter durch ein Friedensprogramm abzuwenden suchte, in das Bayern und das Langobardenreich einbezogen wurden. Im Aufträge Karls verhandelte der Abt Sturm von Fulda mit Tassilo, wobei diesem vermutlich eine gewisse Unabhängigkeit zugestanden wurde16), und er seinerseits unternahm wohl auch entsprechende Schritte bei Desiderius 17 18). Nachdem eine Eheschließung zwischen Karl und einer Tochter des Desiderius vereinbart worden war, brachte Bertrada ihre Söhne zu einer Aussöhnung und vollendete 770 durch ihr persönliches Erscheinen in Bayern und Italien dieses Werk ls). 12) Vgl. HB d. bayer. Gesch. 1, 127. 43) Dem Text der Reichsannalen ist hier zu folgen und nicht den Ann. Mett, prior., die den Bruch schon auf den vorhergehenden Hof tag legen. 14) Brief des Papstes an Pippin: Cod. Carol. (MG Epp. III n. 36). Vgl. auch Heinz Löwe Die karolingische Reichsgründung und der Südosten (Forschungen zur Kirchen- und Geistesgeschichte 13, Stuttgart 1937) 47. 16) Zum Jahre 770 (ed. Pertz-Kurze S. 30). 16) Löwe (Reichsgründung 62) lehnt ein Zugeständnis der Unabhängigkeit im Jahre 769 ab, weil Karl sich im Jahre 781 auf die 757 geleisteten Eide berief, die er also 769 nicht aufgegeben habe. Auf Grund der Vita Sturmi (c. 2, ed. G. H. Pertz in MG SS 2 [1829] 366) kann man indes ein gewisses Nachgeben nicht ablehnen. Wahrscheinlich erachtete sich Karl an die Zugeständnisse von 769 nicht mehr gebunden, zumal sich 781 sein Status geändert hatte; er war jetzt fränkischer Alleinherrscher und damit wirklicher Nachfolger Pippins. 17) Vgl. Sigurd Abel Jahrbücher des fränkischen Reiches unter Karl d. Gr. 1 (Berlin 21888) 66 f. 18) Für Einzelheiten und Quellenbelege s. Walter Mohr Studien zur Mitteilungen, Band 25 9