Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg
516 Litera turberichte übernommen wird. Als Resultat ergeben sich ausführliche Inhaltsangaben, in denen peinlich darauf geachtet wird, sowohl formelhafte Schlußsätze nicht zu vernachlässigen, wie auch die stereotypen Wendungen eines Credentiales zu übersetzen (S. 31 Anm. 12: „in diesem Schreiben bat der König [sc. Philipp II.], Breuner die gleiche Geneigtheit und das gleiche Vertrauen wie ihm selber entgegenzubringen“). Der Verzicht auf die verarbeitende Umsetzung eines Berichtes des 16. Jahrhunderts bedingt so und so oft unbeholfen klingende Sätze (z. B. S. 52: „wenn sie [sc. Elisabeth] aber schon heirate, werde sie das auf das Höchste tun“). Im extremsten Fall bringt D. im Text die fast wörtliche Übersetzung einer Beschreibung Karls durch den englischen Gesandten Danett, um in der dazugehörigen Anmerkung den englischen Originaltext anzuführen (S. 203). Hier wäre Straffung durchaus wünschenswert, die ermüdende Wiederholungen ausschalten würde. So entstand eine editionsähnliche, reich kommentierte Arbeit mit verbindenden Überleitungen des Vfs., die zu knapp ausgefallen sind und auch nicht versuchen, ein Fazit aus den dargebotenen Quellen zu ziehen. In seinem kurzen Schlußkapitel (S. 277 ff) kommt der Autor hinsichtlich Elisabeths Handelns zu dem Ergebnis — und dies wird in allen ihren von den Gesandten gemeldeten Stellungnahmen spürbar —, daß die Königin in den Heiratsverhandlungen nur ein politisches Mittel sah, aufsteigende Gefahren abzuwenden, um bei schwindender Bedrohung ihre halben Zusagen in halbe Absagen zu ändern. Nicht anders meinte etwas vergröbernd schon Vizekanzler Seid, daß „ain pur lauttere grundsbuberei darhinder gestekt“ (S. 68). Die Haltung der Kaiser Ferdinand I. und Maximilian II. deutet D. in der Hauptsache als eine Taktik der „halben Maßnahmen“, die das Scheitern aller Bemühungen mitverursachte (hiezu wird wohl etwas zu überspitzt Grillparzers berühmtes Zitat aus dem Bruderzwist vermerkt). Dies scheint aber doch zu vereinfachend geurteilt. Wenn D. der Ansicht ist, der einzige erfolgversprechende Weg, Karl dem Verlangen Elisabeths entsprechend vor Abschluß des Heiratsvertrages nach England reisen zu lassen, sei nicht angewendet worden, so vergißt er, daß eine solche Forderung für jene Zeit ein nie dagewesenes Novum darstellte. Er vernachlässigt, mit welchem Prestigeverlust die Casa de Austria zu rechnen gehabt hätte, wenn ein Mitglied ihrer Familie womöglich nach eingehender Betrachtung als ,zu leicht befunden“ wieder zurückgeschickt worden wäre. D. beobachtet richtig, daß der Glaubensgegensatz „immer mehr in den Vordergrund rückte“ (S. 278), betont aber nicht, was sich ebenso klar wie Elisabeths treibendes Moment erkennen läßt: daß Ferdinand einer vorherigen ,Prüfung“ seines Sohnes nie zustimmen würde. Erklärt er nicht dezidiert genug, daß er lieber die Verhandlungen ergebnislos abbrechen würde, bevor er „auf ein so unziemliches und ungewöhnliches Begehren ... eingehe“? (S. 76). Zudem könnte in der Zurückhaltung Karls, der erst in der letzten Phase hervortritt, ein Zeichen dafür zu sehen sein, daß er sich nur bei größerem Entgegenkommen des Partners ernsthaft und ohne unüberwindlich scheinende Vorbehalte um England bewerben wollte. Unabhängig davon dürfen die Vorzüge dieses Buches auf arbeits