Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

514 Literaturberichte Die Bibliographie ist äußerst reichhaltig. Von den schon erwähnten Lücken abgesehen vermißt man vor allem die heute noch maßgebliche Studie von A. Anzilotti (La crisi costituzionale della Repubblica jioren- tina, Firenze 1912) und neuere Arbeiten von Ch. Bee, L. Martines und A. Mohlo wie weitere (neben den zwei verzeichneten) Abhandlungen von N. Rubinstein, die viele andere Werke leicht entbehrlich erscheinen ließen. Gian Giacomo Medici, dessen Biographie (von L. Bignami) verzeichnet ist, hat mit den Florentiner Medici nichts zu tun und wird im Text auch nir­gends genannt. Besondere Würdigung verdient die großartige äußere Gestaltung und Illustrierung, die allein schon die Durchsicht des Werkes zum reinen Ge­nuß macht und manche Schwäche des mit Schwung und Einfühlungsver­mögen gestalteten Textes vergessen läßt. Gerhard Rill (Wien) Kurt D i e m e r, Die Heiratsverhandlungen zwischen Königin Elisabeth I. von England und Erzherzog Karl von Innerösterreich 1558—1570. Phil. Diss. Tü­bingen. Biberach 1969. XVI, 384 S. Die Thematik ist nicht neu: Immer wieder haben die wechselnden Hei­ratspläne Elisabeths von England, die vielleicht gar nicht so sehr von ihr „erdacht“, sondern von fast allen europäischen Herrschern mit ihr „ange­stellt“ wurden, das Interesse der Forschung erregt. Die räumliche Spann­weite solcher Überlegungen reichte von Schweden bis Spanien, von Schott­land über Frankreich bis Österreich (als Stammlande des Kaisers), die Vorschläge für einen Ehekandidaten spiegeln einerseits realpolitische Kombinationen, andererseits kühne, irreal anmutende Projekte wider. Kurz, es scheint, daß mit der Thronbesteigung der jungen Königin Eng­land den Mittelpunkt für einen Kreis werbender Staaten bildete. Die Tochter Heinrichs VIII. verstand es ausgezeichnet, für kurze Zeit den oder jenen Antrag zu begünstigen, um sich plötzlich wieder zurückzuziehen, wie um jede zu exponierte Haltung zu vermeiden. Trotzdem konnte sie jahrelang die europäischen Höfe nicht entmutigen, die der nicht allzu häufigen Situation gegenüberstanden, daß eine Frau allein über die Ver­gabe ihrer Hand zu entscheiden hatte. Daß die Habsburger in diesem Konzert rivalisierender Anwärter keine unbedeutende Rolle spielten, ist ebenfalls nicht unbekannt: Akteneditio­nen, größere und kleinere Aufsätze, ja sogar wissenschaftliche Artikel in Tageszeitungen haben sich mit Abschnitten der Geschichte der englischen Werbung beschäftigt. So ist D.s Dissertation zunächst eine Zusammenfas­sung abgeschlossener Einzeldarstellungen, die für sich genommen, doch nur bruchstückhaftes Wissen einiger besonders hervorstechender Ereignisse wären. Das Aufspüren aller übrigen bisher unbeachteten Quellen ermög­licht es ihm, den Gesamtablauf der sich erstaunlich lange hinziehenden Bemühungen vorzuführen. Sein ausgedehntes Quellenstudium in Inns­bruck, Marburg, München, Stuttgart und vor allem in Wien ergänzt und verbindet nun Teilergebnisse zur vollständigen Materialsammlung über den Plan einer engen Bindung zwischen Habsburg und Tudor, der schon vor dem Herrschaftsantritt Elisabeths auftauchte (leider geht D. mit den

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