Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Neunter Österreichischer Archivtag 1971 in Innsbruck

Österreich 489 Im Bereich der für die Landwirtschaft zuständigen Landwirtschafts­kammern wurde bei den meisten Bezirksbauernkammern weder die seit 1941 geführte Hofkarte, die Auskunft über „die Änderung der Wirtschafts­weise gibt“, bzw. die land- und forstwirtschaftliche Betriebskarte aufbe­wahrt. Die Akten der Landwirtschaftskammer selbst, die über den Lan­deskulturrat und die Landwirtschaftsgesellschaft bis 1764 zurückreichen würden, existieren längst nicht mehr. Daß heute Reden und Diskussionen der Hauptversammlungen auf Band gespeichert und so archiviert werden, ist für den Wirtschaftshistoriker und den Archivar erfreulich, entspringt aber nur der Überlegung, daß einmal Ausgesprochenes auf diese Weise nicht wieder abgestritten werden kann. In einzelnen Bauernhöfen Ober­kärntens finden sich die Geschichte des Einzelanwesens berührende Kauf­und Beutellehenbriefe. Doch lassen sich daraus selbstverständlich nicht größere wirtschaftsgeschichtliche Zusammenhänge ablesen, wohl aber aus den Quellen in den Herrschaftsarchiven, die Bestandteile des Kärntner Landesarchivs bilden. Besonders schwierig ist es, erfolgreich nach arbeitergeschichtlichem Schriftgut zu suchen. Neben den leider meist unergiebigen Nachlässen bedeutender Sozialisten ist man in der Hauptsache immer wieder auf die Nachrichten der Presse angewiesen. Nur Industriewerke und größere Handwerksbetriebe mit einer hohen Zahl von Beschäftigten verfügen im Unternehmen selbst über die besten Unterlagen für ihre Geschichte. Hier ist freilich eine Einschränkung anzu­bringen: Für die Zeit des kleinen, ja kleinsten Betriebsbeginns wird der Forscher nur sehr wenig vorfinden, eine bessere Dokumentation wird erst mit dem Aufstieg und der Ausweitung der betreffenden Firma einsetzen. Als klassisches Beispiel ist in diesem Zusammenhang Klagenfurts größtes Industrieunternehmen Neuner zu nennen, das seine Entwicklung von 1834 an, dem Zeitpunkt, als Christoph Neuner d. J. sein Werk zum bran­chengrößten auf dem Kontinent ausbaute, geschlossen belegen kann. Da die jüngere Generation der jetzigen Besitzer wenig Verständnis für dieses einzigartige Quellenmaterial zeigt, wird es das Kärntner Landesarchiv als Legat übernehmen. Ähnlich ist für die Gewerbe- und Handelsbank Klagenfurt die Samm­lung historisch oder betriebsintern bedeutsamer Schriftstücke der Initia­tive einer mit dem Institut eng verbundenen Persönlichkeit, des Vorstands­direktors, zu danken. Das gleiche gilt für die seit 1835 bestehende Kärnt­ner Sparkasse, die seit 1965 einen für die Ordnung des Aktenmaterials nach Sachbetreffen verantwortlichen Direktionssekretär bestellte. Abge­sehen von den Gründungsakten besitzt die Sparkasse aber erst wieder seit ca. 1920 Archivalien. Seit 1927 werden in der Handelsfirma J. M. Offner in Wolfsberg, deren Kapitalienbücher bis 1788 zurückreichen, die Akten „komplett aufgehoben“. In der Schwesterfirma Johann Offner werden seit 1955 Monats- und Jah­resstatistiken erstellt, die für 16 Jahre Energieverbrauch, Umsatz, verar­beitete Mengen und Leistung überblicken lassen. Für das 1947 begonnene Sensen- und Gabelwerk unterrichten die Firmenunterlagen über alle mit Produktion, Arbeiterstand, Lohn- und Preisgefüge verbundenen Probleme.

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