Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Neunter Österreichischer Archivtag 1971 in Innsbruck
ARCHIVBERICHTE Neunter Österreichischer Archivtag 1971 in Innsbruck Von Christiane Thomas (Wien) Daß gerade dieser Archivtag (4. Oktober 1971) nach den Worten seines Vorsitzenden, Univ.-Prof. Dr. Hanns Leo Mikoletzky, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs (Wien), zu einem der anregendsten und lebhaftesten seiner Art wurde, dankte man nicht zuletzt der Konzentration auf lediglich zwei Hauptthemen. Das Hauptgewicht lag eindeutig auf der Auseinandersetzung mit der Problematik von Wirtschaftsarchiven in Österreich, der vier von insgesamt fünf Referaten gewidmet waren. Dr. Bernhard Z i 11 e 1, Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns (München), dem für diese Sparte der Vorsitz übertragen worden war, vermied das Zerflattern der Diskussion und deren Abgleiten auf nebensächliche Details, indem er fast alle Wortmeldungen in- und ausländischer Teilnehmer erst nach Abschluß der Vorträge ansetzte. So wurde der Charakter eines geschickt aufgebauten Programms gewahrt, das von einem historischen Überblick über die Forderungen der Forschung zu spezieller Berichterstattung über Wirtschaftsarchivkörper in einzelnen Bundesländern führte. Die Standortbestimmung des Historikers und die Vermittlung der Kenntnisse über länger zurückreichende „Anläufe“, die Gruppe der wirtschaftlichen Archivalien in Theorie und Praxis zu bewältigen, lieferte Univ.-Prof. Dr. Walter Goldinger, Direktor des Allgemeinen Verwaltungsarchivs (Wien), (Problematik der Wirtschaftsarchive). Die erste Phase einer Beschäftigung mit Wirtschaftsarchiven fällt in den Beginn des 20. Jahrhunderts (wenn auch bereits im 16. Jahrhundert große Handelsfirmen wie die Fugger ihr wirtschaftliches Archivgut zu erhalten getrachtet hatten): Köln richtete ein regionales Wirtschaftsarchiv ein, und 1913 fand eben in Köln ein Wirtschaftsarchivtag statt, dem auch zwei Österreicher, bezeichnenderweise keine Berufsarchivare, sondern der Bibliothekar der Handelskammer und der Vertreter des Handelsmuseums, eines Institutes zur Exportförderung unter Anschluß eines „wirtschaftspolitischen Archivs“ für Dokumentation und Information, beiwohnten. Eine zweite Phase wird durch den für 1938 angesetzten und in der Folge abgesagten allgemeinen deutschen Archivtag bezeichnet, auf dem die Frage der Wirtschaftsarchive in Deutschland erörtert werden sollte.