Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445

32 Christiane Thomas tenet, uxor unum castrum habet (es folgen die Angaben der Einkünfte), sed coniacere illi non tenetur. Hoc virum male habet, uxorem parva provisio gravat“ 152). Das ist die Sprache Katharinas! Das ist ihre Aus­legung der Eheeinigung, das ist ihre Sicht des rechtlichen Standpunktes, den sie hier Aeneas aufdrängt. Sie klammerte sich an die Zugeständnisse der eigenen Residenz, des eigenen Hofstaates und der räumlichen Tren­nung von ihrem Gatten, negierte jedoch, daß letztere nur zeitweilig war. Ja, sie steigerte ihre Darstellung zu der Behauptung, daß sogar eine Tren­nung von Tisch und Bett vereinbart worden war — ein glatter Wider­spruch zum Paragraphen über die Ehegemeinschaft. Erbost über den Ver­lust seiner Gattin hätte sich Heinrich durch eine allzu karge Bemessung ihrer Versorgung gerächt. Aeneas wendete nichts ein, kein „quidam aiunt“ oder „ut subodoro“ begleiteten seine Ausführungen; er machte sich Katha­rinas Ansicht zu eigen: Sie war die schöne, von einem alten grausamen Mann unwürdig behandelte, bedauernswerte Fürstin. Wenn Katharina nach dem Abzug Heinrichs mit Friedrich über ihre Probleme gesprochen haben sollte, konnte ihr Tenor nicht anders gewesen sein. Nach dem Debakel mit Heinrich durfte der König wenigstens in der Gräfin eine Proponentin seiner Erbfolgepläne erblicken. Denn eines ist wohl unleug­bar: Versprach sich Katharina etwas von einer habsburgischen Unterstüt­zung, so wird sie nicht verfehlt haben, Friedrich mit einem Einwirken ihrerseits für seine Wünsche zu locken. Katharinas Unternehmung spielte sich hinter den Kulissen ab. Im Vordergrund stand Friedrichs Bemühen, Heinrich über den Weg der Lehensbestätigung an sich zu ziehen. Von diesen Vorgängen wird nichts durch Aeneas offenbar; doch ist sich die moderne Forschung einig, daß Friedrich den Cillier zurückzudrängen gedachte, daß Heinrich hartnäckig seinem fragwürdigen Freund die Stange hielt und zu keinen Konzessionen bereit war. Die bedrohliche Machtkumulierung in der Hand Ulrichs mußte Friedrichs Argwohn und Besorgnis erregen, auch wenn im Moment keine akute Gefahr vorhanden war. Aber der Görzer war nicht zu überreden, von der Seite Ulrichs abzurücken153). Dies ist nicht ganz begreiflich, außer man konzediert Heinrich die feste Überzeugung, daß ihm Ulrich ehrlich und redlich geholfen hatte. Er mochte sich sagen, sogar schaden­froh sagen, daß der Einfluß seiner jungen Frau gebrochen war. Diese Genugtuung versperrte ihm die Einsicht dafür, daß er nichts gewonnen, aber Beträchtliches verloren hatte. Er fand es anscheinend nicht diskri­minierend, daß ihm praktisch jede herrscherliche Betätigung entrissen worden war. Der Fürstenkonvent war gescheitert. Friedrich verbarg nicht seinen Un­162) Brief vom 12. Januar 1444: W o 1 k a n Briefwechsel 277. 153) wiesflecker Entwicklung 360; Cusin Aspirazioni 90; Venuti Agonia 52.

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